Piper 2014
Piper 2014

Daniel Goleman – Konzentriert Euch!

 

Langfristig ausrichten

 

Mit einem Imperativ als Titel und einer gewissen Überheblichkeit im Untertitel (anderen eine Anleitung zum modernen Leben zu geben), schießt David Goleman in seinem plakativen Anspruch dann doch deutlich über das Ziel hinaus.

 

Zum einen, was den Eindruck angeht, er könne der Welt nun aber eine ganz andere, neue Form des Lebens ermöglichen und zum anderen, was tatsächlich nach der Lektüre an Inhalten bestehen bleibt.


Dennoch, durchaus interessante Erkenntnisse der Neurowissenschaften sind es, die Goleman ins Feld führt und die, recht verstanden, durchaus hilfreich sein können, den eigenen Fokus zu finden und zu erhalten auf jene Momente, Dinge und Aufgaben, die je aktuell wichtig im Raume stehen.

 

Dabei ist die „Langfristbefriedigung“ eines seiner Kernanliegen in der Erkenntnis darüber, dass Menschen häufig zu unfokussiert nur auf das achten, was gerade vor Augen liegt, was „über den Tag“ vielleicht bringt, später aber zu Problemen führen wird.

 

„Wir achten auf die Gegenwart, auf das, was jetzt für unseren Erfolg notwendig ist, aber das ist schlecht für die langfristigen Ziele. Die Konzentration auf die Zukunft wird zu einem Luxus, der warten muss, bis wir uns um die momentanen Bedürfnisse gekümmert  haben“.

 

Letztendlich geht es also darum (nicht nur für Manager, die Goleman in diesem Buch als konkrete Zielgruppe benennt und vor Augen hat), die eigenen Visionen zu erkennen, eine „Leitvision“ zu finden und „das Gesichtsfeld um den Zukunftshorizont“ zu erweitern.

 

Es bedarf also der „feinkörnigen Fokussierung“, die sich selbst, das Ziel und das aktuelle „System“ in den Blick bekommt, in diesem Blick behält und die Gegenwart dann auf die (auch ferne) Zukunft hin ausrichtet.

 

Dieses „Konzentration“ wird durch rasche, zeitgleiche und vielfache Aufgaben „gestört“, die auf den Manager den Entscheidungsträger (eigentlich auf jeden) in der modernen Welt „einprasseln“.

 

Goleman im Buch ausgeführte Methode besteht nun nicht darin, alle „Störungen“ auszublenden, um sich auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren zu können, sondern biete dem Leser zu verschiedenen Situationen und Aufgabentypen dann passende, eben auch verschiedene, Konzentrationsmöglichkeiten (Aufmerksamkeitsmodi).  Je also in der konkreten Situationen die für die Situation wesentlichen Dinge „fokussieren“  steht an, um „das große Bild“ vor Augen zu halten.

 

Sich selbst wahrnehmen an der einen Stelle, empathisch agieren in anderen Momenten, Muster erkennen und Systemblindheit überwinden, spielerisch auch das hin- und herschalten zwischen den Aufmerksamkeitsmodi erlernen, das legt Goleman in diesem Buch vor Augen.

 

Allerdings in doch teils sehr zerfaserter Form.

 

 Von „Konzentration“ zu „Modus“ zu „großem Bild“ zu „Verantwortung für Langristvisionen“ hin- und her gleitend, thematisch vom „Fokussieren“ über „Aufmerksamkeitsübungen“ hin zur ökologischen Verantwortung der „Führung“ für das Überleben des Plane und wieder zurück, zudem, , im Kern, nicht eigentlich wirklich Neues an Methode oder Einsicht zu bieten, das führt hier und da zu einem eher verwirrten als „fokussierten“ Leser.

 

Am Ende verbleibt die Erkenntnis, dass das Gehirn automatisch auf kurzfristige Befriedigung hin agiert, durch gezielte „Aufmerksamkeiten“ aber das „Wirre“ an Situationen überwunden werden kann, um einen roten Faden für die eigene Führung und Anleitung anderer zu erhalten.

 

 

Ein nicht uninteressantes Buch mit einigen Impulsen gegen die eigene „Wahllosigkeit der Aufmerksamkeit“, andererseits aber zu zerfasernd und zu wenig griffig als „Anleitung zum modernen Leben“.

 

M.Lehmann-Pape 2014