J.B.Metzler 2016
J.B.Metzler 2016

Detlef Kremer, Andreas B. Kilcher – Romantik

 

Breiter und fundierter Blick auf eine prägende eine Kulturepoche

 

Bereits in vierter Auflage (erste Auflage 2001) erscheint nun, wiederum durchgesehen, leicht erweitert und bibliographisch aktualisiert dieses als eines der Standardwerke zur Romantik zu bezeichnende Buch von Kremer und Kilcher. Wobei auch 14 Jahre nach Erscheinen der ersten Auflage das Werk nichts an seiner grundlegenden Bedeutung für die wissenschaftliche Beschäftigung mit der Epoche der Romantik verloren hat.

 

Und weiterhin gilt ebenso, dass Kremer und Kilcher ihr Ziel, die Romantik (zwischen 1780 und 1830) allein aus ihren eigenen historischen Begriffen, Kategorien und Ansprüchen her darstellt und interpretiert, entkleidet von sekundären Interpretationen oder Ideologisierungen späterer Jahrhunderte. Ein Anspruch des Werkes, der breit anerkannt als gelungen bewertet wurde und weiter werden kann.

 

In dieser Zielrichtung ist es wichtig und gut, dass, nach einer Einordnung der Romantik in den historischen und sozialgeschichtlichen Kontext der Zeit „um die französische Revolution herum“ mit ihrer feststellbaren, zunehmenden „Verdichtung der Kommunikation“, zunächst die allgemeinen Aspekte der Romantik ausführlich und fundiert dargelegt werden.

 

Die Begriffsdefinition, die Unterteilung in Früh- und Spätromantik, die feiner in die Tiefe gehende Phasengliederung und die Geschichte der wissenschaftlichen Rezeption legen die Grundlagen für den Leser, sich den einzelnen, bedeutsamen inhaltlichen Aspekten der Romantik dann zuwenden zu können.

 

Wobei, neben der im Vordergrund stehenden „Naturphilosophie“, der „romantischen Psychologie“ und der Darlegung der Grundfiguren der romantischen Poetik (mitsamt der „neuen Mythologie“ und der sich stark entfaltenden „Imagination“) vor allem dann an ausgewählten Werken der Romantik die romantische Prosa, das romantische Drama und die romantische Lyrik den wesentlichen Teil des Inhaltes dieses Lehrbuches ausmachen.

 

Dabei bieten die Autoren ein sehr, sehr breites Feld der Betrachtung. Tiecks, Hölderlin, Novalis und Brentano sind mit Hauptwerken und deren Analyse ebenso vertreten, wie von Eichendorff und E.T.A. Hoffmann als zentrale Vertreter der Spätromantik ausführlich interpretiert werden.

 

Sowohl die Gattung des historischen Romans, der Erzählungen und der romantischen Kunstmärchen werden sodann getrennt voneinander in ihren Besonderheiten und den wichtigen Daten aufgenommen und sachgerecht vor Augen gefühlt.

 

Was im weiteren Verlauf ebenso für das Lust- und das Trauerspiel der Romantik gilt.

 

„Gustav Wasa“, „Krieg den Philistern“, „Der zerbrochene Krug“ sind hier ebenso anzutreffen, wie „Leben und Tod der heiligen Genoveva“ oder „Die Gründung Prags“, wie auch ein fundierter Blick auf Kleists Dramen.

 

Die wohl klassisch mit dem Begriff der Romantik verbundene Form der Lyrik schließt das Lehrbuch ab. Schlegel, Tiecks „Minnelieder“, die „Hymnen an die Nacht“ von Novalis, das „Moment der Stimmung“ (das nicht nur in Tiecks Lyrik von hoher Bedeutung ist) zeigen die Grundlagen der Romantik auf, bieten einen differenzierten blick auf die verschiedenen Formen und Gattungen und setzten die „Hauptakteure“ der Romantik gut ausgeleuchtet in den Raum der Lektüre.

 

Das zudem Kremer und Kilcher es verstehen, verständlich und flüssig zu formulieren, erleichtert die Arbeit mit diesem Lehrbuch enorm.

 

Eine hervorragende Darstellung der Kulturphase der Romantik.

 

 

M.Lehmann-Pape 2016