Metzler 2014
Metzler 2014

Dirk Lüddecke, Felicia Englmann (Hg.) – Zur Geschichte des politischen Denkens

 

Überblick von der Antike bis zur Gegenwart

 

Vielfach ist die Literatur zum politischen Denken seit Jahrhunderten bereits. Kaum eine Einzelfrage, die nicht ausführlich behandelt und von verschiedenen Seiten her ausführlich betrachtet worden ist.

 

In all dieser notwendigen und guten Vertiefung der vielfachen Aspekte des poltischen Denkens ist es ebenso gut und wichtig, auch Überblicke zu schaffen. Die, naturgemäß, die einzelnen Aspekte und poltischen Denkrichtungen durch die Zeiten hindurch nicht erschöpfend behandeln, wohl aber die Kernelemente und Entwicklungen des politischen Denkens aufnehmen und damit auch Ansatzpunkte für persönliche Vertiefungen liefern.

 

Die im Buch versammelten Autoren bieten zu diesem Zweck einen zeitlich umfassend gestreckten Blick auf die Geschichte des poltischen Denkens an in enger Anlehnung an das grundlegende Werk Hennig Ottmanns, das seinen Ruf als Standardwerk zur Geschichte des politischen Denkens gefestigt hat.

 

So bilden die Beiträge dieses Buches den (gelungenen) Versuch, aus verschiedenen Perspektiven heraus sich dem Ganzen des Werkes Ottmann ergänzend, hier und da vertiefend zu nähern, das Thema „weiter zu spinnen“ und mit anregenden, erweiternden Impulsen zu versehen. Und dies getreu nach Otmmanschem Verständnis, dass „Politik eine Integrationswissenschaft“ ist.

So erklingt gerade in diesem Buch ein Kanon aus verschiedenen Disziplinen mit der je eigenen Blickrichtung, die doch im Lauf der Lektüre immer wieder das „Ganze“ fest im Blick halten.

 

Seien es antike Ideenquellen des Republikanismus (und damit die Grundlagen moderner Demokratien), sei es ein Exkurs zur „Utopia“ oder an der Person David Humes „den Konservatismus eines Radikalen“ sehr anschaulich abzuleiten, konkrete Figuren der politischen Geschichte, die für konkrete Strömungen politischen Denkens stehen zum einen im Buch als Schwerpunkte der Darlegungen.

 

Aber auch inhaltliche Entwicklungen werden in guter Weise aufgenommen und differenziert dargestellt.

 

So bietet Elke Schwinger im Buch einen faszinierenden und erhellenden Blick auf „Politische Slogans“, die Reduktion politischer Strömungen auf Metaphern im Rahmen der Public Relations. Dies am Beispiel der amerikanischen Prohibition zu vollziehen bietet sich geradezu an, betrachtet man im Nachgang die „Kampagnen“, die damals zum Erfolg einer zunächst verschwindenden Minderheit geführt haben und weitreichende Folgen für die amerikanische Gesellschaft jener Jahre mit sich brachten. Wie sehr „Schlagworte“ dabei eine fundamentale Rolle spielten, ist eine der Erkenntnisse, die sich aus der Lektüre dieses Kapitels ergeben.

 

Ob und wieweit die „Avantgarde“ auch für die Gegenwart im politischen Sinne „Bewegungen“ hervorruft, wie weit dieses „Vorhut radikaler Antibürgerlichkeit“ verändernden Einfluss auf das politische Denken genommen haben („emanzipatorischer und kriegerischer Modernismus“), auch das bietet eine Anregende Betrachtung im Buch und verbindet sich gut mit dem abschließenden Kapitel zur „Kraft der social media“ mit ihren spürbaren (und nicht zuletzt gefährliches Potential beinhaltenden) Bewegungen, die am Fundament der Demokratie zumindest Spuren hinterlassen.

 

Vielfache Gedanken und Ansätze, die immer wieder darauf rekurrieren, dass sich in der Fülle menschlichen politischen Denkens (mit all ihren Verirrungen) Formen „gelingender politischer Lebensteilung zeigen“, die erfasst, dargestellt, verstanden werden können, um immer wieder als Wegmarken für konstruktive Zukunftswege zu fungieren.

 

 

Eine sehr interessant, Ottmann hervorragend weiterführende, Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2014