Carl-Auer 2013
Carl-Auer 2013

Doris Wilhelmer, Reinhart Nagel – Foresight-Managementhandbuch

 

Geplantes systemisch-vorausschauendes Handeln

 

Angesichts komplexer Aufgaben der kurz- bis mittelfristigen Zukunft handlungs- und planungsfähig zu sein, hierfür bietet das Forsight-Management eine „wirksame Architektur und Methodologie“.

 

Wobei klar ist und bleibt, dass natürlich die Zukunft im Eigentlichen nicht vorhersehbar ist und bleiben wird, die „relevanten Akteure“ diese jedoch gemeinsam gestalten können (und aller Erfahrung nach auch gemeinsam gestalten werden, in die ein oder andere Richtung eben).

 

Für eine möglichst konstruktive gemeinsame Gestaltung der Zukunft angesichts teils in der Gegenwart bereits drängenender Probleme ist eine methodische Herangehensweise und eine Management gesteuerte Entwicklung wichtig  und vielversprechend. Das Handbuch bietet für die „Planung der Zukunft“ konkrete Fragen betreffend ein umfassendes, nicht immer leicht verständliches, aber in sich geschlossenes und überzeugendes Instrumentarium an, in dem Foresight einen „offenen Innovationsprozess“ anstößt und nach festgelegten, in sich aber dynamischen Regeln begleitet.

 

Im Rahmen des Prozesses entstehen so zunächst „Bilder einer möglichen Zukunft“, aus denen dann Schritt für Schritt Entscheidungen in der Gegenwart getroffen werden, um einzelne und konkrete „Zukunftsbilder“ möglichst zutreffend (bei allen Unwägbarkeiten) zu verwirklichen. Um dem gerecht zu werden, findet sich im Foresight System immer eine Zusammenkunft interdisziplinärer Fachrichtungen, um ein möglichst breites Instrumentarium für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen. In bester systemischer Tradition daher steht das Foresight Modell und bietet sich in seiner Methode auf vielfachen Ebenen an, vom Kleinbetrieb bis zum Großkonzern bis zu politisch relevanten Entscheidungsträgern.

 

Was Foresight genau ist als „Methode zur offenen Innovation“, wie sich ein Gesamtprozess darstellt, welche Akteure in welcher Form einen gemeinsamen „Entwicklungsraum“ gestalten und mit welchen konkreten Instrumenten (allgemeine von der „Auftragsklärung“ über die „Bereitstellung relevanter Materialien“ bis zur konkreten Herausarbeitung alternativer Perspektiven und Zukunftsentwürfen, Handlungsfestlegungen und Möglichkeiten der Evaluierung) findet sich hier eine „Schritt für Schritt“ Anleitung des Foresight Systems.

 

Zwei Praxisbeispiele bilden zum Ende des Buches hin eine verständliche Illustration eines solchen Prozesses und seiner Ergebnisse. Vielleicht ist es kein schlechter Einstieg in das Buch, zunächst diese Fallbeispiele anzulesen, um dann den theoretischen Hintergrund der Methode sich zu erarbeiten.

 

Alles in allem stellen die Autoren komplex, aber fundiert das Foresight-Modell von allen Seiten her dar und überzeugen in dieser Methode vor allem durch die Zusammenführung aller beteiligter Interessensgruppen, wobei die Hauptarbeit im sozial-kommunikativen Raum geleistet wird. Daher richtet sich die Methode sehr stark nach der tatsächlichen  konkreten Praxis aus und vermeidet den Fehler so manch anderer Methoden, rein technokratische Lösungen „am Reißbrett“ zu erfinden, die dann der praktischen Umsatz im „ganz normalen Leben“ nicht standhalten.

 

 

Eine zumindest bedenkenswerte Lektüre für all jene, die Zukunftsprojekte gestalten  und Projekte in einem System offener Innovationen auf den Weg zu bringen gedenken.

 

M.Lehmann-Pape 2014