UVK 2014
UVK 2014

Dorothea Weltecke, Ulrich Gotter, Ulrich Rüdiger (Hg.) – Religiöse Vielfalt und der Umgang mit Minderheiten

 

Multireligiöse Räume als Normalität der Geschichte

 

Religiöse Vielfalt ist nicht per se konfliktträchtig (quasi aus einer „Natur der Religionen“ an sich heraus) und ist, zum zweiten, kein „modernes“ oder „neues“ Phänomen.

 

Dies sind die zwei zunächst wichtigsten Ergebnisse einer Tagung, angeregt durch die aktuell teils aufgeheizte öffentliche Diskussion über den Umgang mit der zunehmend deutlicher ins Bewusstsein tretenden religiösen Vielfalt, nicht nur in Deutschland.

 

Diesen beiden Ergebnissen des Diskurses und der damit einhergehenden auch Entkräftung von Vorurteilen setzen die Autoren des Buches vier Thesen entgegen, die nachvollziehbar begründet im Buch vorliegen  und als Hilfe zu einer sinnvollen emotionalen und wissenschaftlichen Distanz deutlich verhelfen können.

 

Religiöse Minderheiten fallen nicht vom Himmel, sondern entstehen durch kulturelle Prozesse und sind damit veränderbar, integrierbar und damit Anreiz für den intensiven Dialog.

Zudem ist die Existenz religiöser Minderheiten der „historische Normalfall“ (und das war beileibe nicht immer mit „tödlichen Spannungen“ verbunden).

 

Europa war bereits im Mittelalter religiös durchmischt, Indien, Asien zeigen bis heute eine hohe Vielfalt religiöser Glaubensrichtungen auf. Nicht immer in Form eines friedlichen Mit- oder Nebeneinanders, aber auch nicht im Sinne einer beständigen „natürlichen“ Reibung. Integration ist damit auch eine Frage des grundsätzlichen  Umgangs mit religiösen Minderheiten und eine Aufgabe kultureller Entwicklung aller beteiligten Seiten.

 

Wobei im Übrigen (wie im Irak) sogar nicht selten gilt, dass religiöse Minderheiten nicht selten „die Macht“ einnehmen. Eine Gleichsetzung mit „Randgruppen“ und damit ein Dängen an die „sozialen Ränder“ entspricht daher (weitgehend) nicht den historischen Fakten.

 

So ziehen die Herausgeber den Schluss, das religiöse Mehrheiten und Minderheiten zusammen erforscht werden müssen und somit die Vorstellung (oft) der „Mehrheit“ eines Gegenübers beider Gruppen wissenschaftlich nicht trägt und kontraproduktive Auswirkungen zeitigt.

 

„Auch steht fest, dass beide Seiten an der Konstruktion der Abgrenzungen wie der Identitäten beteiligt sind“.

 

Auch wenn das Ergebnis offenkundig und fast lapidar klingt, in den einzelnen Beiträgen (wie u.a. dem der „Minderheit der Kirche im Osten Deutschlands“) wird sachlich verdeutlicht, dass Abgrenzung Gesellschaften nie gut getan hat und der Dialog die einzig konstruktive und Perspektiven bietende Möglichkeit des Umgangs mit religiösen Mehrheiten und Minderheiten bietet.

 

Eine wohltuend nüchterne und sachliche Betrachtung in teils aufgeheizter öffentlicher Atmosphäre und Tendenzen der Abgrenzung auf vielen Seiten der Beteiligten.

 

M.Lehmann-Pape 2014