Hirzel 2011
Hirzel 2011

Felix von Cube – Besiege Deinen Nächsten wie Dich selbst

 

Die eigene Aggression in den Griff nehmen

 

Aggression ist ein „evolutionäres“ Programm. Der Mensch muss mit seinem inneren Anteil an Aggression leben, kann aber einen humanen Umgang mit dieser Emotion erlernen.

 

Soweit die Ausgangsposition von Felix von Cube, die er seinem Buch über den Umgang mit der Aggression voranstellt. Ein sicherlich allgemein gültiges Postulat mit nicht sondelrich hoher Aussagekraft. Ebenso wie das gesamte Buch, vorweg gesagt, zu sehr im allgemeinen und im postulierenden verbleibt.

 

In der Form machen die ersten Seite, neben der „Arbeitsaufgabe“ zumindest  deutlich, dass von Cube nicht nur von der theoretischen Seite her zu argumentieren gedenkt, sondern mitten hinein ins praktische Geschehen und erleben aggressiven Verhaltens führt. Eie ganze Reihe von Beispielen („Das letzte Wort“ bringt es knapp und kurz voll au den  Punkt) setzt von Cube an den Anfang des Buches mit hohem Wiedererkennungswert, die alle eines verdeutlichen, was von Cube klar benennt: Aggression ist der Trieb, den Rivalen zu besiegen. Ein Sieg, der als „lustvolle Endhandlung“ erhoffte und erwünschte Folge des Aggressionsschubs dann ist. Eine praxisorientierte Form der Darstellung, die das Verstehen seiner Gedanken einfach und nachvollziehbar befördert.

 

Um nun die destruktiven Folgen eines unkontrollierten Aggressionsausbruches zu vermeiden, dazu bietet von Cube diese Reflektion über „die Aggression“ an . Mit den Zielen, zerstörerische Aggression und hier besonders Gewalt zu vermeiden, die Leistungsfähigkeit („notwendige“ Aggression) nicht zu vermindern und eine „zulässige Aggression“ zu.

Hierbei setzt von Cube eine generelle Forderung nach einer „Aggressionserziehung“ (vergleichbar einer „Sexualerziehung) in den Raum. Einfach so wird sich eine Bahn brechende Aggression in einem Menschen, der notwendige Grenzen und Schranken nicht erlernt hat, nicht „abschalten“ lassen, da hat der Autor recht. Wie eine solche „Erziehung“ im Konkreten aber auszusehen hat, das bleibt er über weite Teile seines Buches schuldig.

 

Im Folgenden wendet sich das Buch  ausführlich und erläuternd anhand immer wieder erhellender Beispiele den Formen der Aggression und deren Ursprüngen samt gedachten Nutzwerten, aber auch zerstörerischen Kräften, zu. Trieb zum Sieg, Aggression im Alltag, Aggression in Form körperlicher Gewalt sind die Themen, die einsichtig vorgelegt werden, bevor im letzten Kapitel mögliche, reflektierte Umgangsformen formuliert werden. Zur Reflektion leitet von Cube hier vor allem an, indem er „Neue Soll-Werte“ postuliert. Von Cube fordert ein Umdenken in Richtung eines „Überleben und Respekt“. Sprich, je zu prüfen, ob aggressive Handlungen das Überleben gefährden und welche die Menschenwürde, im wahrsten Sinne des Wortes, mit Füßen treten.

 

Differenziert führt er auf, das ist das Plus seines Buches, dass Aggression per se durchaus konstruktive und notwendige Kräfte bereit stellt (Leistungswillen). In der „Kritik der Aggression“ kann der Leser von Cube zwar bedenkenlos recht geben, andererseits aber lässt das Buch den Leser doch zu sehr auf der Ebene der abstrakten Erkenntnis zurück. Im Gesamten des Buches nur auf 3-4 Seiten bietet er gen Ende hin einige überlegenswerte „Gegenstrategien“, doch auch diese bleiben eher appelhaft und vage. So bietet das Buch zwar eine eingehende Beschreibung der Aggression in ihren vielfachen Erscheinungsformen, verbleibt letztlich aber rein auf der darstellenden Ebene, erweitert durch einige Postulate an „die Erziehung“ und „die Reflektion“. Zu wenig, um einen anderen Umgang mit Aggressionen nachhaltig beim Leser anzustoßen, zu allgemein, um die Diskussion über die Aggression neu zu befruchten.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Felix von Cube,

 

geb. 1927, emeritierter Professor für Erziehungswissenschaften und Sachbuchautor