Heyne 2012
Heyne 2012

Florian Langenscheidt – Handbuch zum Glück

 

Kann man Glück „trainieren“?

 

Ein Institut „für angewandte Glücksforschung“ hat Florian Langenscheidt schon vor Zeiten gegründet. Das Thema „Glück“, was das ist, ob man es gezielt erreichen kann und, wenn ja, wie, ist somit ein Thema, dass ihn bereits lange umtreibt. Die Essenz dieser „Umtriebigkeit“ und der eigenen Reflektionen des (durchaus breit vorhandenen) Glücks in seinem eigenen Leben, dies sind die Ingredienzien, mit denen Langenscheidt dieses durchaus kluge und persönliche Buch verfasst.

Ein philosophischer Diskurs auf komplexer Ebene ist in dem zu lesen, was Langenscheidt in „Spaziergänge“ genannten, thematischen Kapiteln zu Gehör bringt.

 

Schon eine Überschrift wie „Trotzdem glücklich“ zeigt auf, dass Langenscheidt durchaus differenziert den „Weg zum Glück“ auffächert und nicht einfach auf Leistung, Erfolg und äußeren Schein rekurriert. Auch wenn fast „Klassiker“ der „Glückssätze“ mit vor Augen geführt werden („Glücklich ist, wer das sein will, was er ist“), gelingt es Langenscheidt dabei durchaus, auch solch einfache „Weisheiten“ in Breite und Tiefe zu durchdenken. Denn dieses (und so manch anderes) sind einfache und schön gesagte Sentenzen, aber das alleine reicht ja nicht (dann wäre die Welt ja rundum glücklich). Im konkreten Beispiel muss man natürlich erst einmal überhaupt eine Ahnung davon erhalten, wer und was man ist. Und das ist keine einfache Aufgabe. Was Langenscheidt auch nie behaupten würde, das ein Weg zum Glück eine einfacher wäre. „Selbsterkenntnis fliegt uns nicht zu“.

 

Wer sich der Frage des Glücks wirklich nähern will, der kommt nicht, zunächst nach „Innen“ zu gehen und dort Raum zu schaffen. Für sich selbst, für die „großen Fragen“, für eine Besinnung auf die eigenen Ziele, für ein „sich selbst kennen lernen“. Eindrücke von Langenscheidts Überlegungen, die bereits aufzeigen, warum in einer hochtechnischen, durchaus auch reichen Welt das Glück an sich nicht ebenso einfach sich entwickelt. Von „Außen nach Innen“ kann man eben nicht glücklich werden und von „Innen nach außen“ zu leben ist eine Fähigkeit, die kaum mehr vermittelt wird in einer funktional materiell orientierten Welt, die sich Geld und Sicherheit fixiert und darin „Glück“ vermutet.

 

Aber eben auch das stimmt, dass „Glück sich Ziele“ setzt. Die aber durchaus zunächst reflektiert und mit dem eigenen Inneren abgestimmt werden sollten, damit man sich nicht an einem Ziel wiederfindet, von dem andere zwar das Glück versprachen, man selber aber nichts mit anfangen kann.

 

Dies alles übrigens legt Langenscheidt nicht einfach nur als theoretischen Diskurs vor, sondern er verknüpft seine Einsichten jedes Mal mit einer Begebenheit aus seinem eigenen Leben. Das, was er inhaltlich mitteilt ist praktisch möglich, dafür steht er mit (Glück-) Ereignissen in seinem Leben. Allerdings eben eher „Innen“ zu suchen und zu finden und erst in zweiter Linie „da draußen“. Glück wohnt eben „nicht im Tresor“, sondern ist zugänglich und braucht zudem Gemeinschaft, Freunde, um es überhaupt zu erleben, denn erst im Teilen des Glücks mit anderen wird Glück zum Glück.

 

Florian Langenscheidt legt viele altbekannte „Glücksformeln“ neben einige andere, individuelle Einsichten, weist den Weg nach „Innen“ und verknüpft all dieses gut lesbar mit seinem eigenen Erleben. Unbedingt umwerfend Neues hat Langenscheidt dabei nicht mitzuteilen, auch wenn er im Ton manches Mal pathetisch daherkommt.

In seiner aber über weite Strecken des Buches persönlicher, sehr entspannender und dennoch reflektierten Art und Weise führt Langenscheidet dennoch zu mehr „Aha-Erlebnissen“, als eine Vielzahl von „Glücksliteratur “ es mit ihren „Trainings“ und eher platten „Erfolgssprüchen“ vermögen würde.

           

M.Lehmann-Pape 2012