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Frédéric Lenoir – Was ist en geglücktes Leben?

 

Viele Anregungen und einige Antworten

 

Welche  Wegweiser wären es, welche die Rahmung für ein gutes, glückliches Leben in Harmonie mit sich selbst und den Mitmenschen geben könnten?

 

Eine Frage nach persönlichem Glück und gemeinschaftlichem miteinander Auskommen, welche die Menschheit seit jeher beschäftigt und Anlass für vielfache philosophische Gedankengebäude und eine fast unübersehbare Zahl von „Glücksratgebern“ gegeben hat.

 

Von vielen dieser modernen Ratgeber aber, das vorweg gesagt, hebt sich Lenoir durchaus positiv ab. Fundierte philosophische Reflektionen sind im Buch erkennbar und werden in fließender, gut verständlicher Sprache von Lenoir ruhig und spürbar persönlich eingebracht. Eher ein „inneres Erfahrungsbuch“ denn eine abstrakte Darstellung oder ein krachendes „Power-Glücksprogramm“ ist es, dass der Leser in diesem Band vorfindet.

 

Natürlich erfindet Lenoir das Rad nicht neu, fast alle möglichen Erkenntnisse eines Weges zu innerem Frieden, zur Harmonie sind im Lauf der Jahrhunderte und Jahrtausende gedacht und mitgeteilt worden, von Buddha bis Jesus, von Sokrates bis Voltaire und Kant.

Trotzdem nun aber die einfache augenscheinliche Besichtigung der Weltlage verdeutlicht, dass es nicht unbedingt ein tiefes Beachten dieser Weisheiten der Menschheit weltweit gibt, sollte nicht unbedingt der Schluss gezogen werden, dass all dieses Gedankengut unnütz wäre. Immer wieder kann es dem Einzelnen gelingen, für sich doch einen Erkenntnisgewinn zu erwerben welche für den eigenen Weg, den eigenen, inneren Frieden, fruchtbar sein können.

 

Auf dieser Basis lohnt sich die Beschäftigung mit dem Buch durchaus. Noch einmal neu  von der Kraft zu lesen, die entsteht, wenn man das Leben bejaht, auch da, wo es nicht unbedingt den eigenen Vorstellungen entspricht. Oder auch, das in einer ruhelosen, twitternden, plappernden Welt das Schweigen, nicht an Wichtigkeit verloren haben. Hier in der Lektüre inne zu halten bei dem, was Lenoir an Gedanken mit auf den Weg gibt, es lohnt sich allemal.

 

Auch die (klar bekannte, dennoch wahre) Differenzierung zwischen Loslassen und Festhalten bietet noch einmal eine Auffrischung, das es eben nur um die Ablösung von „blindem“ Festhalten, von Gier geht. Nicht „Verachtung des Materiellen“ setzt Lenoir in den Raum, sondern eine gesunde Distanz zu den Dingen, die das Eigentliche nie zu geben vermögen.

 

Stets ruhig und bedacht, keineswegs aber langweilig, bietet Lenoir seine grundlegenden philosophischen Reflektionen „für die Praxis“. Das ein Mensch ruhiger mit sich wird und mehr in Harmonie mit sich und der Welt gerät.

 

Dass die Welt nicht so ist, das sieht jeder. Das aber in all dem Wirtschaften, Spekulieren, in all den auch blutigen Machtkämpfen und der erkennbaren materiellen und egozentrischen Ausrichtung auf breiter Ebene nicht der Schlüssel zum persönlichen Glück liegt, auch dies ist durchaus erkennbar.

 

Lenoir bietet eine ganz persönliche Antwort auf das, was ein geglücktes Leben für ihn selbst ausmacht und tut dies auf einer fundierten Basis philosophischen Wissens und philosophischer Reflektion.

 

Sicher ist alles, was im Buch steht, schon einmal in anderer Form gesagt, gedacht und erprobt worden, in dieser äußeren Form und in de Klarheit der Zusammenstellung lässt man sich aber gerne wieder und noch einmal an Wesentliches für das eigene Leben erinnern. Um dann zuzustimmen, dass der Satz der materiellen Welt eben nicht stimmt: „Wer mit 50 noch keine Rolex hat, der hat sein Leben doch wirklich verkorkst!“.

Das stimmt eben nicht und Lenoir weist dies gut verständlich wieder einmal und noch einmal nach. Das das Leben „zu kurz und zu kostbar ist, um es damit vergehen zu lassen, uns zu amüsieren und vergängliche Schätze zu suchen“.

Gut, Das Lenoir wieder und noch einmal daran erinnert.

 

M. Lehmann-Pape 2012