wbv 2010
wbv 2010

Franz Kolland und Pegah Ahmadi  - Bildung und aktives Altern

 

Bildungszugang in jedem Alter

 

Empirisch nachweisbar ist, dass der Zugang zur Bildung nicht in allen Lebensaltern in gleicher Weise gegeben ist. Menschen, die nicht mehr im Erwerbsleben stehen, fallen unter ein Bildungsproblem moderner Gesellschaften: dass Bildung gegenwärtig zentral auf Qualifikation hin ausgereichtet ist.

 

Mit dieser Beobachtung beginnt die Untersuchung von Kolland und Ahmadi im Blick auf die Eröffnung von breiten Bildungsmöglichkeiten gerade für alternde und alte Menschen. Ursachen, Folgen und Änderungsmöglichkeiten der beschriebenen mangelnden sozialen Inklusion älterer Menschen im Bildungssystem ist das gesetzte Thema des Buches.

Ein Thema, dass sich aufgrund der gewandelten gesellschaftlichen Realität aufdrängt, denn das Alter ist mittlerweile eine ganz eigene Lebensphase geworden, die gestaltet werden muss und gestaltet werden kann, nicht zuletzt durch eine Veränderung im Bildungsangebot und der gesellschaftlich anderen Ausrichtung von Bildung im Blick auf das Alter.

Nicht mehr Abbau und Defizit steht dabei im Blick auf das Alter im Vordergrund, sondern Bewegung, Gegenwarts- und Zukunftsgestaltung.

 

In überzeugender Weise stellen die Autoren sodann auf den gut 155 Seiten des Buches Lernbedürfnisse und Lernsituationen von Menschen im „dritten Lebensalter“ dar. Was gewinnen ältere Menschen aus Bildungsprozessen? Welche Themen und Ansätze müssten diese Prozesse beinhalten? Die positive Wirkung von Lernen und Bildung gerade im Alter ist einer der Schlüsse, die im Buch nachvollziehbar gezogen werden.

 

Gut auch, dass die Autoren nicht bei einer theoretischen Untersuchung stehen bleiben, sondern gegen Ende des Buches Projekte benennen und durchführbar vorlegen, die spezifisch für das Lernen älterer Menschen konzipiert wurden und einiges an neuen Ideen für diesen Bereich beinhalten. Hier wird in überzeugender Weise die, vorher im Buch dargelegte, Theorie einer zielgruppengerechten Kursgestaltung für Ältere in praktische Projekte umgesetzt.

Die Autoren zeigen mit diesen Projekten auf, was es bedeutet, wenn Lernprozesse im Alter weniger an funktionalen Qualifikationen hin ausgerichtet sind, sondern sich vielmehr an identitätsstiftenden Aspekten des Lernens orientieren.

Ziel des Lernens und damit möglicher Bildungsangebote für ältere Menschen ist es, eine selbständige und selbstbestimmte Lebensführung zu gewährleisten.

 

Sprachlich liegt das Buch in  einen komplexen Stil vor, der ein gewisses Maß an Konzentration benötigt, ebenso bedarf es der Bereitschaft, den theoretischen Anteil der Untersuchung nach zu vollziehen.

 

Ein einfaches Handbuch für konkrete, praktische Bildungsangebote, die sich umgehend in der Praxis umsetzen lassen, ist das Buch nicht. Dennoch bieten die Autoren einen fundierten Zugang zu notwendigen, grundsätzlichen Überlegungen zur Bildungsinklusion älterer Menschen und, in diesem Zusammenhang, eine Reihe von Denkanstößen und Hinweisen auf einen notwendigen, gesellschaftlichen Veränderungsprozess im Umgang mit dem Alter und im Bildungsangebot für das Alter,