Kösel 2014
Kösel 2014

Gertrud Wagemann – Feste der Religionen

 

Informationen zur rechten Zeit

 

Voneinander zu wissen und mehr zu wissen, das ist ein wichtiger Schritt im Rahmend er “Begegnungen der Kulturen“, die gerade in der aktuellen Gegenwart ja von vielfachen Spannungen auf allen Seiten belastet sind.

 

„Integration“ ist zur Zeit eines der meistgenannten Themen der öffentlichen Diskussion und dennoch ist klar, dass Integration und ein „Miteinander“ vor allem auf der persönlichen Ebene greifen muss, um ein gedeihliches Miteinander tatsächlich auch im Alltag zu befördern.

 

Ein wichtiger Schritt zu diesem „Miteinander“ ist zunächst eine sich vertiefende „Kenntnis voneinander“. Hier bietet das sehr übersichtliche und verständlich abgefasste Buch von Getrud Wagemann einen guten und wichtigen Schritt zu einem besseren Kennenlernen der anderen Kulturen.

 

Indem Wagemann die „Feste der Religionen“ aufgreift und erläutert bietet sie zugleich einen interessanten Blick auch auf die Traditionen der jeweiligen religiösen Kulturen und eröffnet damit dem Leser eine ebenso gute Möglichkeit der Kenntnis und Einschätzung „fremder Sitten und Gebräuche“.

 

Allein schon die jeweiligen „Festkalender“ sich vor Augen zu führen ist hier ein guter formaler Einstieg. Im Folgenden geht Wagemann auf alle bekannten und „offiziellen“ Feiertage der einzelnen Religionen sehr differenziert ein.

 

Christliche Festtage (ausdifferenziert in teils auch exotische Feiern wie das „Johannisreiten“ der Sorben oder das koptische und äthiopische orthodoxe Neujahrsfest), Islamische Feiertage (auch hier mit einzelnen besonderen Exkursen z.B. zum altiranischen Neujahrsfest, aufgeteilt in die iranische und kurdische Tradition) und Jüdische Feiertage bilden im Rahmen der drei großen monotheistischen Religionen das Gros der Darstellung.

 

Wobei darin sich die Darstellung dankenswerter Weise noch lange nicht erschöpft, sondern auch Feiertage von eher Randgruppen in der westlichen Kultur (Jesiden, Sikhs, Bahai) finden sich ebenso kompakt und verständlich in ihren Hintergründen und Abläufen im Buch beschrieben, wie buddhistische und hinduistische religiöse Feiertage.

 

Wenn dann noch das abschließende Kapitel zu den „Festen der Stammesreligionen“(Berber, Nigeria, Kamerun, Vietnam u.a.) gelesen worden ist, ist der Leser zumindest im Überblick bestens und rundherum über die religiösen Bräuche und Traditionen der wichtigen Tage der einzelnen Religionen und Glaubensgemeinschaften informiert.

 

Der jeweilige geschichtliche Hintergrund, einzelne Hintergrundgeschichten („Wie der Herrgott die Roma geschaffen hat“) und praktische Beispiele eines exemplarischen Erlebens des jeweiligen Feiertages bieten eine lebendige Schilderungsform, innerhalb derer die Informationen zudem unterhaltsam vermittelt werden.

 

Alles in allem ein sehr empfehlenswertes Buch für das ganz alltägliche Leben im Dunstkreis auch anderer Kulturen und Traditionen, das über die Darstellung der religiösen „Höhepunkte“ auch vieles für das Verständnis des ganz alltäglichen Lebens der einzelnen Kulturen austrägt.


M.Lehmann-Pape 2015