oekom 2013
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Gesa Lüdecke – Medien und klimabewusstes Verhalten

 

Verankerung für nachhaltiges Verhalten bei Jugendlichen durch das Fernsehen

 

Medien „machen“ Meinungen. Das ist ein Zusammenhang, der so alt ist, wie die Medien selbst. Von den erzählten Geschichten am Lagerfeuer bis zur „Macht der Presse“ und dem gegenwärtigen „Massenmedium“ Fernsehen. Schwerpunkte, die dort gesetzt werden, Botschaften, die dort vorgestellt und diskutiert werden, Meinungen, denen eine Plattform gegeben wird, beeinflussen die Haltungen und Wichtigkeiten der Mediennutzer.

 

In Bezug auf einen ökologischen Lebenswandel und die viel beschworene „Nachhaltigkeit“ ist es daher ein folgerichtiges Thema, das Geda Krüger sich stellt. Wo der einzelne oft und oft (zu Recht) vermutet, dass sein persönliches Verhalten in einer  globalisierten Welt“ wenig ausrichten wird (und wenn er noch so viele Joghurtbecher spült und der Mülltrennung anheim gibt), da ist es logisch, dass eine ständige Information und „Erziehung“ einer möglichst breiten Masse ganz andere Auswirkungen zeitigen kann.

 

Im Besonderen gilt dies für die „noch formbare“ Generation der jeweils Jugendlichen, die in ihrer Lebens-, Werte-, und Haltungsorientierung auf der Suche sind und sich erwiesenermaßen als aufnahmebereit für Werbung, vermittelte Werte, „in“ und „out“, zeigen.

 

Hat das Fernsehen als Medium tatsächlich dort, wo nachhaltiges Verhalten Thema ist und „eingeprägt“ werden soll, fassbare Auswirkungen auf das Lebensbild und die Werte Jugendlicher?

Das ist die Leitfrage, der Gesa Lüdecke fundiert und in sachlichem Tonfall nachgeht.

 

Strukturiert geht sie hierbei ihren Ergebnissen nach. Von zunächst rein deskriptiven Darstellungen anhand vieler Schaubilder und Tabellen, in denen sie die reine Wahrnehmung des „Publikums“ festhält, fragt Lüdecke schlussendlich weiter, was denn in welcher Form angeboten und mitgeteilt werden könnte, um tatsächlich in der Breite Veränderungen in Richtung eines nachhaltigen Verhaltens zu erreichen. Dies auf der festgestellten Grundlage:

 

„Im deutschen Fernsehen gibt es diverse Formate, die sich aus verschiedenen Perspektiven mit dem Thema Klimawandel befassen und diesen kommunizieren“. Und deren erklärtes Ziel es ist, die Zuschauer zu „mehr Klimaschutz auf individueller Ebene zu bewegen“.

Der Wille ist somit also gegeben, das Thema präsent, die Wichtigkeit erkannt.

 

Was hindert, um tatsächlich „Erfolg“ zu generieren ist eine beobachtbar fehlende, einheitliche Kommunikationsstrategie. Zu solitär und isoliert wird das Thema dargeboten, zu sehr der jeweiligen Tagesaktualität Vorrang eingeräumt, statt stringent eine geplante Strategie zu verfolgen, die Menschen „bewegt“. Daher besteht erkennbar für Jugendliche (noch) „kein aktueller Handlungsbedarf“.

 

Wie eine solche Strategie aussehen könnte, vor allem, das eine solche Strategie durchaus sinnvoll und mit Erfolg arbeiten könnte, auch das Legt Gesa Lüdecke fundiert dar und regt somit mit ihrer breiten Untersuchung das weitere Nachdenken über eine gezielte Arbeit innerhalb der wichtigen Rolle des Mediums Fernsehen nahe.

 

Handlungsorientiertes Wissen, die angenommene Verantwortung ihrer Vorbildfunktion bei Medienakteuren (die nachweislich bewusstseinsbildend wirken), das Bedenken der vorhandenen sozialen Restriktionen, aber auch das Wissen um die Kraft vermittelter Emotionen sind hier nur einige Folgerungen, die Lüdecke für eine langfristige Strategie des Mediums Fernsehen zieht. Dann wäre durchaus eine hohe Wahrscheinlichkeit gegeben, dass über das Medium nachhaltiges Verhalten sich bei Jugendlichen verankert.

 

Alles in allem eine nicht einfach zu lesende Studie, welche die Rolle des Mediums Fernsehen bei der „Bewegung“ zu mehr nachhaltigem Verhalten gerade bei Jugendlichen in der gegenwärtigen Vorfindlichkeit auf den Punkt bringt und nachvollziehbare Schlüsse für die Zukunft zur Diskussion vorlegt.

 

M.Lehmann-Pape 2013