Piper 2013
Piper 2013

Hans Küng – Was bleibt

 

Kompakte Darstellung der Grundgedanken

 

Die Essenz von einem halben Jahrhundert theologischer und philosophischer Arbeit und Nachdenkens ist es, die Hans Küng in seinem neuen Buch als seine Kerngedanken dem Leser (noch einmal) konzentriert vor Augen führt.

 

In der Form wählt Küng hier eine gute und übersichtliche Darstellung, die gerade durch die konzentrierte und kompakte Form die wesentlichen Züge seines Denkens zumindest einfacher und zugänglicher gestaltet, als es in den vielfachen Veröffentlichungen im Lauf der Jahre der Fall war.

 

Dennoch, auch in diesem Buch, auch, wenn es „nur“ um die „Kerngedanken“ geht, Konzentration und eine gehörige Portion Abstraktionsvermögen bedarf es schon, denn vielfach sind die Themen und nicht immer einfach für Nicht-Theologen ist die Sprache.

 

Allein bereits die sieben Hauptteile zeigen auf, dass es hier um Existentielles und Grundsätzliches geht, um Kernthemen der „inneren“ Menschheits- und Religionsgeschichte, aus denen Küng immer wieder mit überraschenden Wendungen zu schöpfen vermag, um Antworten für die heutige Zeit aus der Tradition und dem christlichen Denken heraus zu geben.

 

Gott – Grund, Halt und Ziel; Jesus – Lebensmodell und  Maßstab; Ökumene – Einheit im Glauben; Kirche – Aufbruch in Freiheit; Freiheit – Erfahren und gelebt; Tod – Nicht Ende, sondern Vollendung; Weltreligionen - Horizont und Herausforderung; Weltethos – Orientierung für die Menschen. Dies sind die Hauptteile, unter denen Küng seine Gedanken im Buch sammelt.

 

Kernbereiche ethisch-moralisch-religiösen Lebens, in denen Seite für Seite die einerseits freiheitsorientierte, liberale, reformatorische Seite Küngs in immer wieder neuen Angängen und Wendungen deutlich wird, in denen aber auch der „katholische Theologe“ zu seinem Recht kommt. Dies allerdings nach dem formulierbaren Lebensmotto Küngs, „nicht überreden, überzeugen!“.

 

Gerade im letzten Hauptteil zum „Weltethos“ wird der durchaus auch vorhandene, liberal-dogmatische Anteil seines Glaubens und seiner Überzeugungen deutlich.

 

„Nicht nur Rechte, auch Pflichten“ verweisen den „freien Menschen“ (westlicher Prägung) auf Irrwege eines individuell freiheitlichen Denkens, dass sich seiner Verantwortung für das Ganze beständig zu entziehen sucht und allein im individuellen Hedonismus seine Erfüllung versucht, zu finden. Ohne einen „Weltethos“, sprich eine verbindliche Werteordnung, kann es auch keine tragfähige „Weltordnung“ geben. Die Grundlagen für einen solchen „Weltethos“ sind in den Kapiteln zuvor bei Gott und Jesus tragfähig zu finden und unter den Menschen „herauszuhandeln“, nicht aus eigener Kraft heraus zu „verhandeln“.

 

Eine ethische Grundhaltung, die im Übrigen durchaus überzeugend christlich argumentiert im Buch vorliegt und sich auf Politik und Wirtschaft ebenso erstreckt, wie auf das individuelle Leben.

 

Alles in allem ein Buch sowohl für Küng-Kenner, wie auch für Einsteiger. Für die einen noch einmal ein Konzentrat der Haltung und der Erkenntnisse Küngs, für die anderen ein gelungener Einstieg in Küngs Denken über ein halbes Jahrhundert hinweg.

 

M.Lehmann-Pape 2013