Droemer 2013
Droemer 2013

Hans-Ulrich Grimm – Garantiert Gesundheitsgefährdend

 

Die Zuckerfalle

 

 Zunächst erscheint eine Begrifflichkeit wie „Mafia“ in Bezug auf etwas so leckeres und vermeintlich harmloses wie Zucker doch ein wenig weit hergeholt und polemisch.

 

Wer sich aber der Lektüre des neuen Buches von Hans-Ulrich Grimm widmet, der wird bald eines besseren belehrt und erkennt, wie nicht nur auf den Finanzmärkten „Gier“ herrscht und Kunden „gefügig“ gemacht werden, sondern dass diese Haltung mittlerweile weite Teile des Lebens beeinflusst und ohne Abstriche gerade auch in Bezug auf die Herstellung von Lebensmitteln in großer Breite zutrifft, Und das gewollt und bewusst, strategisch geplant und nur zum eigenen Nutzen (der Hersteller) perfide umgesetzt,

 

Zucker ist ein Suchtstoff, das zunächst klärt Grimm fundiert als Grundlage seiner weiteren Ausführungen, nur um dann aufzuweisen, wie die Lebensmittelindustrie umfassend und geschickt diesen Stoff allüberall einsetzt, um ihre Produkte breitestmöglich an den Mann und die Frau zu bringen. Wissend um die Gefahren der erhöhten (und oft verdeckten) Zuckerzufuhr und ohne Rücksicht auf mögliche gesundheitliche Folgen beim Konsumenten.

 

Und damit nicht genug, schon bei der Herstellung von Zucker legt Grimm „mafiöse Strukturen“ offen und verweist auf eine bis heute andauernde Ausbeutung von Menschen bei der Gewinnung von Zucker (bei der ebenfalls nur wenige, die „Zuckerbarone“ ihre Reibach machen).

 

Wieder einmal begnügt sich Grimm in einem seiner Bücher, zum Glück, nicht nur mit Warnungen oder polemisch wirkenden Angriffen und Appellen an den Konsumenten, sondern wendet sich seinem Thema fundiert, sachlich und, vor allem, gründlich zu.

 

Was Zucker ist, dass dieser kein natürliches Produkt ist, dass der menschliche Organismus Zucker in raffinierter Form gar nicht benötigt, dass eine ganze Industrie mit der „Sucht des Gehirns nach Zucker in jedweder Form“ professionell arbeitet und das am Zucker sich so manche die Taschen vollmachen, all das ist im Buch in ruhigem Tonfall nachzulesen und lässt den Leser, wieder einmal, nachdenklich und empört zurück.

 

Auch hier bietet Grimm Möglichkeiten des konstruktiven Umganges. Bewusst auswählen, auf Limonaden, Fertigprodukte, in manchen Teilen auch auf Konserven verzichten, den Blick schärfen für die Inhaltsangaben bei Lebensmitteln und hier auch rechts und links des Weges schauen (hier und da wird der Zuckergehalt verdeckt nur angegeben), all das kann der Endabnehmer mit ein wenig Mühe durchaus leisten. Und damit sich selbst schätzen, aber auch einem unseligen System, so weit es geht, eine Absage erteilen.

 

Das beginnt im Übrigen vor allem und schon im Kindesalter. Die berühmte Süßigkeit (natürlich industriell hergestellt) als „Nachtisch und Belohnung“, die Cola als „ganz besonders Getränkt nur manchmal“, all dies erzieht Kinder bereits zu einer kritiklos positiven Haltung zuckerhaltigen Lebensmitteln gegenüber und ist dann später im Leben nur schwer wieder einzufangen.

 

Alles in allem wieder einmal ein hervorragendes Sachbuch von Hans-Ulrich Grimm, dass die Augen für einen verdeckten, alltäglichen „Schadstoff“ in jeder Beziehung öffnet.

 

M.Lehmann-Pape 2013