Knaus 2010
Knaus 2010

Harald Lesch – Der Außerirdische ist auch nur ein Mensch

 

Wissenschaft aber wirklich mal ganz anders

 

Dass das Risiko die Voraussetzung für Freiheit ist, ist eine einerseits altbekannte Tatsache, die andererseits sehr gerne immer wieder vergessen wird. Freiheitliches Leben, aber auf jeden Fall, natürlich nur mit rundumsorglos Versicherungen.

Und das Artenvielfalt von Natur aus nicht ohne Kakerlaken, Mücken, Wanzen und ähnlichem Ungeziefer zu haben sein wird, sollten wir uns auch hinter die Ohren schreiben, wenn wir wieder eine lästige Mücke mit von ihrem Futterplatz auf unserem Arm verjagen.

Dass zudem das Frühstücken im Weltall ein tödliches Risiko beinhaltet, sollte man es mit frischen Brötchen versuchen, versteht sich da schon fast von selbst.

 

Nur drei der unzähligen Hinweise, mit denen Harald Lesch in ganz anderer, streckenweise umwerfend komischer Art und Weise harte wissenschaftliche Fakten vom Blick auf Sex mit Außerirdischen über Entropie bis hin zur Relativitätstheorie, jeweils verpackt in teils äußerst schräge Sinnzusammenhänge, doch in bester Weise erläuternd und erklärend dem Leser nahe bringt. Noch nie zumindest wurde selbst trockenste Wissenschaft in solch anregender Art und Weise komprimiert und verpackt.

 

Die Relativitätstheorie erläutert auf knapp zwei Seiten und dass ohne jede Formel? Das geht tatsächlich.

Wie auch die Vielfalt der assoziativen Betrachtung naturwissenschaftlicher und philosophischer Phänomene im Kern immer in bester und verständlicher Weise in den Raum treten, umgeben von kleinen Geschichten und Erläuterungen, die das Gehirn dazu auffordern, in ganz spielerischer Art und Weise, um die Ecke denkend, sich dem jeweiligen Punkt der Betrachtung zu nähern.

 

 Mit der ihm eigenen Methode des liebevollen Humors gelingt Harald Lesch so, was er sich selbst als Ziel setzt: Wissenschaft dergestalt auf ein menschliches (und verständliches) Maß zu bringen, dass dem unbefangenen Leser nicht nur theoretisches Wissen erläutert, sondern dies zugleich in den Zusammenhang des Lebens stellt.

Wunderbar, wie er sich dem Stahl über eine stahlblaue Assoziationskette nähert und zugleich die Augen für den komplexen Vorgang der Stahlerzeugung öffnet.

 

Harald Lesch, Moderator der ZDF Sendung „Abenteuer Forschung“ und Professor für Astrophysik und Philosophie in München, weiß, wovon er redet, ist in der Lage, didaktisch über den Humor sein Wissen prägnant zu vermitteln und besitzt den Vorteil, beide Seiten zu leben, die trockene Naturwissenschaft und die menschlich fragende Philosophie. Kein Wunder, dass er selbst seine Neigungen ebenso weit entfernten Polen Wie Goethe und Star Trek anvertraut.

 

Ein flüssig und locker zu lesendes Buch mit einem fundierten Kern aus harten Fakten und umfassendem Wissen, dass in bester Weise sich beim Lesen vermittelt.

 

M.Lehmann-Pape 2010