Hirzel 2013
Hirzel 2013

Heike Leitschuh, Gerd Michelsen u.a. (Hg.) – Mut zu Visionen

 

Handbuch Ökologie 2014

 

„Ohne Zweifel gibt es große Vorbehalte gegen visionäres Denken“, nicht nur beim damaligen Kanzler Helmut Schmidt.

 

Dennoch aber, ohne voraus zu denken, ohne die Fantasie zu entwickeln, wie es sein könnte im guten oder besten Fall, fänden viele Entwicklungen gar nicht erst statt. Am Anfang steht doch immer eine Idee. In dieser konstruktiven Form dienen Visionen vor allem dazu, zum Handeln zu motivieren, ungeahnte Kräfte zu entfalten und dem ganzen Ziel und Richtung zu geben.

 

In diesem Sinne haben die vielen Autoren dieses Handbuch ihren „Visionen“ Lauf gelassen.

 

Was wäre die angemessene Politik der nahen Zukunft, so doch die EU bereits den Friedensnobelpreis erhalten hat als „politische Idee“? Fragt der erste Teil des Buches.

 

Effizienz, Suffizienz und Konsistenz sind im zweiten Teil im Schwerpunkt der Aufmerksamkeit im großen Feld des „Denkens über die Nachhaltigkeit“.

 

Was aber sind Elemente für ein individuell „gutes Leben“? Gelassenheit, Vorbeugung von Burn-Out, Entgehen des „Rat-Race“, all dies sind Elemente einer auf das Soziale hin ausgelegten Lebensform, die im dritten Hauptteil des Buches Platz finden in durchaus konkreter Sprache und praktischer Verbundenheit. Denn auch Visionen können ja so gestrickt sein, dass sie nicht weit in der Zukunft erst umgesetzt werden können, sondern bereits durch das Stellen kleinerer Schrauben im gegenwärtigen Alltag zu spürbaren Veränderungen führen.

 

Eine Praxisnähe, die sich auch im viertel Teil des Buches zeigt. Da, wo verdeutlicht wird, dass nicht nur das dauerhafte „Wachstum“ Motor der Wirtschaft ist, sondern Schrumpfungsprozesse immer auch zum wirtschaftlichen Leben dazugehört haben. Als durchaus „gesundende“ Entwicklungen, im Übrigen. Was fundiert und gut im Buch vor Augen gehalten wird und damit so manchen Panik Rufen aus der Wirtschaft ein wenig den Wind aus den Segeln nimmt.

 

Es gibt viele denkbare Schritte zur Nachhaltigkeit, die eben nicht in das Reich der Ideologie und er Fantasten zu verorten sind. Auf allen Ebenen zeigen die Beiträge in diesem Buch, das die Vision eines nachhaltigen, guten, dennoch wirtschaftlichen, aber ökologisch und individuell vor allem nachhaltigen Lebens oft „nur einen Schritt“ voraus liegen. Wenn der Mensch oder die konkrete Institution sich dazu entscheiden, in diese Richtung sich auszurichten.

 

Konkrete Beispiele, Vordenker zu Wort kommen zu lassen (in kurzen Portraits von Günter Altner und Elinor Ostrom), auf konzentriert arbeitende Umweltinstitutionen hinzuweisen (Solarbundesliga, Urban Mining, Virtuelle Akademie Nachhaltigkeit) und das Ganze letztendlich auch mit Statistiken zu unterfüttern, vielfach sind die Elemente und Denkanstöße, die dem Leser in diesem breiten Handbuch zur Ökologie mit auf den Weg gegeben werden.

 

Sehr lesenwert.

 

M.Lehmann-Pape 2013