Metzler 2013
Metzler 2013

Heinrich Meier – Carl Schmitt, Leo Strauss und „Der Begriff des Politischen“

 

Was Strauss und Schmitt einander heute fortführend zu sagen hätten

 

Leo Strauss ist sicherlich eines der Kernthemen der Forschung Heinrich Meiers, intensiv bereits hat er sich mit der Gesamtlehre Strauss auseinandergesetzt, ebenso, wie er, durchaus mit Schwerpunkten zum Begriff des „Poltischen“ sich mit Carl Schmidt. Daher liegt es durchaus nahe, die Denkmuster und Grundüberlegungen beider „politischer Philosophen“ einander gegenüber zu stellen und aneinander zu schärfen.

 

Ein Unterfangen, welches in diesem schmalen Band als durchaus gelungen bewertet werden kann. Alleine schon die übersichtliche Darstellung der Grundgedanken beider, die im Buch als „roter Faden“ immer wieder prägnant formuliert wird, stellt sich als hilfreiche, zusammenfassende Lektüre für jene Leser dar, die ein stückweit tiefer in die Überlegungen der beiden Denker eingehen wollen und deren Diskurs der Jahre 1932/1933 genauer verstehen möchten.

 

Die Unterscheidung zwischen „politischer Theologie“ und „politischer Philosophie“, das Verständnis des „Poltischen“ an sich, die Entwicklungen, die gerade bei Carl Schmidt in den weiteren Arbeiten abzulesen sind, all dies nimmt Meier auf, führt es präzise vor Augen und wählt hierzu die Form einer (fiktiven) Fortsetzung des damaligen Dialoges (des sich „aufeinander Beziehens“ in Veröffentlichungen).

 

Entwicklungen, die Schmidt selbst in den Raum gestellt hat, u.U. auch als Reaktion auf die detaillierten Überlegungen und Anfragen durch Strauß. Denn Schmidt hat seine Abhandlung über das Politische mit der immensen Schärfung von „Freund und Feind“ in drei durchaus konzeptionell und inhaltlich sich weiter entwickelnde Fassungen nacheinander veröffentlicht. Reaktionen nicht eines „Streites“, sondern konstruktiver Anfragen und intellektuell redlicher „Unterstützung“, die Strauss Schmidt gegenüber an den Tag legte, dessen Entwurf es als „originären Gegenentwurf zur Kulturphilosophie jener Tage“ wertete. Nichts weniger also als die „Auseinandersetzung mit dem Liberalismus“ ist das Ziel und die Argumentation Schmidts. Auch heute noch eine lohnenswerte, grundlegende  Lektüre.

 

In Form und Sprache teils auf überaus abstrakter Ebene argumentierend, finden beide jedoch immer wieder auf die gesellschaftliche Konkretion zurück. So bildet dieser schmale Band eben nicht nur das „Binnenverhältnis“ beider ab, sondern darüber hinaus eine fassbare Darstellung einer der Grundfesten politischer Philosophie und Definition des „Politischen“

 

Anfragen und eine inhaltliche Auseinandersetzung, die gut nachzuvollziehen in den drei knappen Briefen Strauss an Schmitt im Buch vorliegt, die Meier unkommentiert zum Ende des Buches hin mit aufnimmt.

 

In Form und Stil nicht einfach zu lesen bedarf einer konzentrierten Haltung bei der Lektüre. Dennoch wird sich schwerlich ein anderes Werk finden, in dem die Darstellung um „den Begriff des Politischen“ bei Schmitt in solch klarer und komprimierter Form vorliegt.

 

M.Lehmann-Pape 2013