dtv 2012
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Helge Hesse – Bilder erzählen Weltgeschichte

 

Prägende Bilder der Geschichte

 

„Über Jahrtausende aber waren es gemalte oder gezeichnete Bilder, die Sichtweisen, Standpunkte und Absichten von Künstlern, die unser Bild von Geschichte prägten“.

 

Maler im Übrigen, die selbst noch der aktuelle modernen Zeit von Foto, Video, Digitaltechnik und Film Bilder noch als „Handwerk“ malen und damit geschichtlich entscheidendes versuchen, einzufangen und auszudrücken. Diesen wendet sich Hesse zu und schreibt damit zugleich ein Buch über die Malerei und eines über die Geschichte. Aus der Sicht der Künstler. Als eine, durchgehend farbig illustrierte,  historische Betrachtung durch die Malerei hindurch, könnte man sagen.

 

Wobei jedes Bild im Bucheinen besonderen historischen Moment festhält. Wendepunkte der Geschichte, Umbrüche, Meilensteine, bei deren Betrachtung der der Künstler selbst natürlich ebenfalls (auch in den Erläuterungen im Buch) mit in den Blick gerät. Getreu dem Ziel, welches Hesse sich selber stellt, dass der Leser am Ende des Buches einfach „besser im Bilde“ sei. Zumindest, was die subjektive Auswahl angeht, die Hesse für das Buch getroffen hat, erreicht er dieses Ziel im Übrigen spielend. Denn informativ, hier und da auch durchaus „ganz anders“ mal gedacht, teils überschwänglich, immer aber hoch informativ und treffend beschreibend führt er die Vielzahl der Bilder vor Augen.

 

Von den Malereien der Chauvet Höhle angefangen. 400 Bilder eines Weltverständnisses, einer Schöpfung, Beseelung der Welt und was daraus entsteht, die weit vor der „zivilisierten“ Zeit Kunde vom Bedürfnis des Menschen nach Welterkenntnis, Weltdeutung und Weitergabe des Erkannten geben. Das „Trojanische Pferd“, „Der Tod des Sokrates“, „Kleopatra“, „Luther in Worms“, „Kopernikus im Gespräch mit Gott“, „Die alte Börse von Amsterdam“, „Treffen mit den Russen in Torgau“, „Die Befreiung von Bagdad“, all dies bildet nur eine Auswahl der 75 Bilder, Künstler und Ereignisse, denen Hesse im Buch gut lesbar und kompakt nachgeht, ohne es an nötiger Tiefe fehlen zu lassen.

 

 Bilder wie das der „Ersten elektrischen Straßenbeleuchtung in Berlin“, die nicht unbedingt breit und allgemein bekannt sind, die aber eine ausführliche Betrachtung lohnen bei all der treffenden „Zeitatmosphäre“, die nicht  nur in diesem Bild mitschwingt.

 

Denn Warhol gelingt es in ganz anderer „Technik“ ebenfalls präzise, die Atombombe furchtbar fühlbar in den Raum zusetzen, wie das letzte Bild, „Die Befreiung von Bagdad“ zeigt, dass die naive und propagandistische Form der „Heldenverehrung im Bild“ auch im 21. Jahrhundert noch genauso lebendig ist, wie die ehemals überlebensgroßen Bilder der Sowjetzeit und die Eitelkeiten der Fürsten des Mittelalters.

 

Eine wunderbar gestaltetes und hoch informativer Blick auf die Geschichte durch die Augen ihrer Künstler ist es, den Helge Hesse dem Leser in bester Weise ermöglicht und den er klug je auffächert, erläutert und begleitet.

 

M. Lehmann-Pape 2012