wbv 2012
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Hildegard Schicke – Organisation als Kontext der Professionalität

 

Professionalität als Schlüsselkategorie Lehrender

 

Trotz aller aktuellen Betrachtungen und, hier durchaus zu erleben, Relativierungen der Rolle der Lehrenden im pädagogischen Kontext, bleibt festzuhalten, wie Hildegard Schicke deutlich herausstellt, dass „Lernen nur als Koproduktion von Lernenden und Lehrenden“ möglich ist. Wobei die Leitenden und  Planenden„in pädagogischen Kontexten“ Schlüsselfiguren darstellen, deren Haltung und Kompetenz gravierende Folgen nach sich zieht.

 

So ist im Buch das Thema wohlbegründet: „Professionalität ist und bleibt in allen ihren Facetten ein wichtiges Foschungsthema“. Hildegard Schicke macht sich auf, empirisch im Buch, auch in Form einer konkreten Fallstudie nachvollzogen, ein Konzept zur „organisationsgebundenen Professionalität“ zu untersuchen und darzustellen. Einzuordnen ist die vorliegende Studie in den Gesamtrahmen der Untersuchungen zur „Professionalität im Beruf“ (genauer: in der Erwachsenenbildung) und bietet weitgehend vor allem Argumente und Thesen zur weiterführenden theoretischen Diskussion. Wobei Hildegard Schicke zunächst von der breit diskutierten „Transformation“ des Berufsfeldes ausgeht, deren „neue“ Deutungshorizonte weitgehend nicht eindeutig und klar formuliert, sondern sich in einem aktuelle fließenden Stand der Diskussion befinden.

 

Da nun zumindest unstrittig ist, „dass die Verberuflichung der Erwachsenenbildung nur über den Aufbau von Organisationsstrukturen erfolgen kann“, ist es durchaus naheliegend, diesen organisationsgebundenen Anteil der Professionalitätsentwicklung in der Erwachsenen- und Weiterbildung näher zu beleuchten. Im Rahmen dieser Thematik ist es sodann durchaus ein Schwerpunkt der vorliegenden Studie, ein vierjähriges Projekt der Mitarbeiterentwicklung in einer Weiterbildungseinrichtung (auf Basis des Konzeptes der „lernenden Organisation“) als empirische Basis zu nutzen und ausführlich darauf im Buch Bezug zu nehmen.

 

Die Auswertung der Empirie führt Schicke dann zu dem, was sie „Best Practice“ nennt, sinnvolle und effektive „Muster einer organisationsgebundenen Professionalitätsentwicklung“.

Fundiert recherchiert und in nachvollziehbarer Struktur (aber auch auf sprachlich komplexen Niveau) setzt Schicke dann ihre Thesen eines „Best Practice“ in den Raum.

 

Wahrnehmungsfähig sein für den Wandel der gesellschaftlicher Hintergrundstrukturen des „Lebenslangen Lernens“. Je bestmögliche Auswahl der Strategie entweder in Richtung einer kontextgebundenen Optimierung oder in Richtung einer kontextüberschreitenden Neuerung. Hierzu gehört ein kollektiver Prozess der Kompetenzentwicklung in der konkreten Einrichtung, der auf den drei Ebenen der Institutionsentwicklung, der Organisationsentwicklung und der Personalentwicklung abzulaufen hat. Eine „Offenheit für Entwicklung“ auch des eigenen Prozesses der Lerngestaltung und des Lehrens (auf der Basis der vorhandenen „Ressourcen“, sprich Mitarbeiter) gehört ebenso zu den „Best Practice“ Methoden, die im Buch vorgestellt, empirisch belegt und differenziert begründet werden. Eine Haltung, die es dann auch erleichtert, „Übergänge“ in „noch nicht“ bekannte Kontexte zu gestalten.

 

Damit aber legt Schicke erst die Grundlagen für ihre außerordentlich breiten Betrachtungen der „pädagogischen Profession“ und deren Transformationsprozesses, Elemente, derer es für die Umsetzung eines „Best Practice“ bedarf.

 

Selbstbeobachtung, Disziplin im Wandel, Aufwertung „praktischen Wissens“, die kulturtheoretische Perspektive, der Strukturwandel gesellschaftlicher Arbeit, die Trennung zwischen pädagogischer Profession und Verwaltung derselben und vertiefende Erkenntnisse über die Strukturen der Weiterbildungseinrichtung an sich mögen hier nur als Schlagworte die fundierte Auseinadersetzung der Autorin mit dem Thema beleuchten.

 

Alles in allem eine Studie von hoher wissenschaftlicher Qualität, die vor allem für die weitere Forschung Impulse zu setzen versteht, aber auch zur Reflektion des eigenen Verständnisses und des Status Quo der eigenen Einrichtung dienen kann. Eine konzentrierte Haltung bei der Lektüre ist  jedoch nötig, um in allen Darlegungen folgen zu können. Gut, dass das ein oder andere auch graphisch dargelegt und somit „fassbarer“ wird (Professionalität als triadische Struktur).

 

Ein für den Diskurs wichtiger Beitrag im Blick auf die Transformation pädagogischer Professionalität.

 

M.Lehmann-Pape 2013