Iris Bohnet – What Works

 

Ein gesellschaftliches Programm zur Gleichstellung von Frau und Mann

 

Auch wenn das Thema seit Jahren auch auf der politischen Agenda steht. Auch wenn so mancher vielleicht finden mag, dass zu viel darüber „geredet“ oder zu viel des Guten „getan“ wird (auf Gesetzes-Ebene), es bleibt zu konstatieren, dass sowohl was die reine Zahl von Frauen in Führungspositionen, wie auch die allgemeine Entlohnung im Durchschnitt noch weit von einer „Gleichstellung“ entfernt ist.

 

Ohne sich nun aber moralinsauer oder abgehoben abstrakt dem Thema zu nähern, sondern sachlich fundiert und im Stil gut zu lesen, legt Iris Bohnert eine Zusammenfassung (teils verblüffend einfacher) Beobachtungen und Erkenntnisse vor, aus denen Sie im Lauf der Lektüre einen klaren, überzeugenden und durchaus praktikablen Weg (der natürlich dauern wird) entfaltet.

 

Schaut man sich, und dieses Beispiel zu Beginn schon wählt Bohnet motivierend geschickt, eine Casting Show wie „The Voice of Germany“ näher an, so ist dabei zunächst vor allem der Reiz der „Blind Audition“ nicht zuletzt für den Erfolg der Show ausschlaggebend.

 

Und ein ebensolches Vorgehen hat im Lauf der letzten 20 Jahre dazu geführt, dass die Anzahl der weiblichen Musikerinnen in großen Orchestern (bis hin zu den Wienern Philharmonikern) sich von einer verschwindend geringen Menge zu gut 50 Prozent entwickelt hat.

 

„Spielen hinter dem Vorhang“ war das ausschlaggebende Moment.

 

Denn, auch das konstatiert Bohnet treffend, das Leben, der Mensch, die Welt ist voller (meist unbewusster) Vorurteile, derer der Verstand beim besten Bemühen in der größten Zahl der Vorurteile wenig standhalten kann.

 

„Unbewusste Vorurteile sind allgegenwärtig. Vorurteile aus den Köpfen zu vertreiben ist schwer“.

 

Wenn es also um eine möglichst objektive Betrachtung von Leistung und Kompetenz geht, dann sieht die Verteilung von Männern und Frauen ganz anders aus als in der breiten wirtschaftlichen Realität.

 

Das bringt, in der logischen Struktur des Buches, die Frage in den Raum (sollte man nicht wollen, dass alle Bewerbungen um Posten non-verbal und abgeschirmt von visuellen Eindrücken durchgeführt werden, was bei Musikern ja noch durchaus gangbar, in vielen Verfahren und Berufen aber kaum denkbar ist), an die Quelle jener „unbewussten Vorurteile“ zu gehen und dort gegen zu steuern.

 

Zum einen durch Erziehung und soziale Prägung bei der nun aufwachsenden Generation, zum anderen, als jetzt schon mögliche Lösung, vorliegende Daten anders und effektiver und, vor allem, tiefer zu nutzen und zudem „klügere Evaluierungsverfahren“ einzusetzen.

 

All das wird von Bohnert so einsichtig und mit praktischen Beispielen illustriert vorgestellt, dass dem Leser einiges an Schuppen von den Augen fällt (obwohl überwiegend bekannte Fakten und Zusammenhänge im Buch beleuchtet werden).

 

Am Ende ist man daher durchaus gut aufgeschlossen durch die Argumentation von Bohnert, sich dem Kern ihrer Vorschläge zu nähern.

 

„Das Verhaltensdesign zu ändern“.

 

 

Das geht, das weist Bohnert nach. Wenn der Wille in den Raum tritt, ist ein vielversprechender Weg somit im Buch beschrieben.

 

M.Lehmann-Pape 2017