Oekom 2014
Oekom 2014

Jürgen H. Franz – Nachhaltigkeit, Menschlichkeit, Scheinheiligkeit

 

Die philosophischen Wurzeln und Entwicklungen der Nachhaltigkeit

 

„Was ist Nachhaltigkeit?“, ist die zentrale Frage, der sich Jürgen H. Franz in seinem neuen Werk zuwendet.

 

Es geht somit um einerseits das „Wesen“ der Nachhaltigkeit, woran sich im Weiteren die Frage nach den notwendigen „Grundbedingungen“ für eine Nachhaltigkeit anschließt.

 

Methodisch geht Franz dieser Frage durch eine „Reise in das Innere des Begriffes“ im Buch nach. Woher entstammt der Begriff? Wann kam „Nachhaltigkeit“ in den Blick der Überlegungen? Was war, was ist genau damit gemeint? Welche Faktoren befördern Nachhaltigkeit, welche stören die Entwicklung? Wie sieht es aus mit den „Schattenseiten der Nachhaltigkeit“, der „Scheinheiligkeit“?


Fragen, die Franz Schritt für Schritt angeht, die sich auf dieser „philosophischen Reise“ voneinander ableiten lassen, die zueinander in Bezug stehen.

Eine „Reise“, auf der Franz durchaus lesenswert ebenso Schritt für Schritt die humane, die moralische, die soziale, ökologische, ökonomische und technische Dimension der Nachhaltigkeit vor Augen führt und damit die Breite des Beziehungsgeflechtes der Nachhaltigkeit nachdrücklich darstellt.

Letztlich ist Nachhaltigkeit (nicht nur im philosophischem Verständnis) eine alles an menschlichem Leben umfassende Grundsatzfrage, in der vor allem eine Wertehaltung sichtbar wird.

 

Eine Wertehaltung, die Franz im Buch an einem in seinen Augen entscheidenden „Dreh- und Angelpunkt“ festmacht.

Nikolaus von Kues nimmt eine tragende Rolle in der Darstellung des Buches ein und aus dessen Denken heraus formuliert Franz letztendlich zum Ende seiner Betrachtungen heraus eine „Cusanische Ethik der Nachhaltigkeit“.

 

Der „Auf das Ganze und Eine gerichtete Blick“ durch Nikolaus von Kues und, neben anderem, seine Ausführungen zur Moralwissenschaft, zur Gerechtigkeit und Gleichheit stellt Franz argumentativ überzeugend als eigentlich den Kern und die Grundlage auch der modernen Auffassung von Nachhaltigkeit dar.

 

Unter der Leitidee der Nachhaltigkeit als der „bedingungslosen und allgemeinen Ermöglichung eines menschenwürdigen Lebens wohl für heutige als auch für zukünftige Generationen“ ist die Entfaltung eines „Cusanischen Ehtikkodex“ die eigentlich konstruktive Leistung in diesem Buch.

Nach einer breiten und differenzierten Darstellung  der Entwicklung der Idee der Nachhaltigkeit.

 

Alles in allem eine durchaus interessante und kompetente Darstellung der philosophischen Entwicklung der Idee der Nachhaltigkeit, ihrer intrensischen Begründungen ( bis hin zu einer „Hermeneutik der Natur“, der ethischen Schlüsse (vor allem aufgrund des Werkes des von Kues) und einer praktischen Ableitung der betrachteten Inhalte in einen Ethikkodex mit 10 Regeln.

 

 

Sprachlich ist das Werk in Teilen eine Herausforderung und bewegt sich hier und da auf hohem Abstraktionsniveau, insgesamt aber bietet Franz wichtige Aspekte für die aktuelle Diskussion dahingehend, dass eine gemeinsame und in der Geistesgeschichte fundierte Grundlage für den Begriff der Nachhaltigkeit hier deutlich angestoßen wird.

 

M.Lehmann-Pape 2014