Ullstein 2011
Ullstein 2011

Jennifer Weigel – Danke, liebes Universum, jetzt reicht´s!

 

Esoterische Entdeckungen

 

„Am besten, ich spiele mal schnell die Geistreparatur-CD“.

Eine gute Idee für Jennifer Weigel, als ihr Sohn einen Weinkrampf bekommt und auch sie selbst voller innerer Anspannung aufgrund ihrer finanziellen und beruflichen Situation ist.

 

Nun, in diesem Augenblick wirkt die CD nicht sonderlich beruhigend auf ihren kleinen Sohn, die „Gesundheitsreparatur-CD“ ist gerade nicht zur Hand und „Meister John“ (der mit den heilenden Händen), den kann Jennifer auch nicht einfach so jetzt herbeizaubern. Aber das Dankgebet ans Universum und an die Engel, das wirkt. Fast umgehend.

 

Was sich in dieser kleinen Szene aus der Mitte des Buches liest wie ein Slapstick, hat durchaus erkennbar Humor (Jennifer Weigel ist eine durchaus reflektierte Person, die nicht einfach blindgläubig durchs Leben läuft), aber eben auch einen wahren Kern. Denn trotz aller Worthülsen, Merkwürdigkeiten und pathetischen Überhöhungen der esoterischen Szene dieser Welt, die Weigel präzise im Buch offenlegt, sucht sie doch ernsthaft und, vor allem, für sich findet sie auch eine ganze Reihe von Anhaltspunkten auf ihrer „spirituellen Reise“.

 

Getreu ihrem Motto: „Seid offen, bleibt neugierig.... und lacht Euch eins ins Fäustchen auf Eurem Weg“ bietet sie in ihrem Buch nun dem Leser eine höchst vergnügliche Reise durch die esoterischen Gefilde dieser Welt, die spirituellen Individualismen, bei denen der nüchterne Leser zunächst mit dem Kopf schüttelt und dann doch den Eindruck gewinnt, es könne etwas dran sein (nicht an einzelnen Auswüchsen, aber an einer „inneren Welt“ an sich) und bei denen der esoterisch angehauchte Leser sich nicht nur bestätigt fühlen kann, sondern auch das ein oder andere Mal sich zur humorvoll geführten Reflektion angeleitet vorfindet. Denn wirklich nicht alles, was die esoterische Welt aufbietet, kann ernst genommen werden. Ebenso übrigens wie das, was die „großen“ Weltreligionen alles an Regeln erzählen (man beachte die Seele des Hundes aus katholischer und protestantischer Sicht).

 

Anekdote um Anekdote erzählt Jennifer Weigel, getragen von einem ganz einfachen „Offen und Neugierig“ bleiben und mit darauffolgenden ganz erstaunlichen Impulse für ihr Leben. So, wie der verstorbene Millard Fuller anscheinend ihre Schreibblockade löst oder eben, wie erwähnt, ein Bittruf ans Universum die Situation mit ihrem Sohn beruhigt und vieles mehr, was Jennifer Weigel in ihrer klaren und flüssigen Sprache zu Gemüte führt.

 

So ist s eben. Es ist „das gute Recht jedes Menschen, spirituell zu sein“. Und wenn Spiritualität sich in Weigelscher Form kundtut, dass sie eben  sich „im voraus beim Universum“ bedankt für Dinge und Ereignisse, die ihr „demnächst“ wichtig sein werden, dann klingt dies in einer nüchternen Welt alles zunächst befremdlich. Es täte durchaus aber allen nüchternen Lesern des Buches ganz gut, sich daran zu erinnern, dass die spirituelle Seite des Lebens jahrtausendelang ein intensiver Ratgeber der Menschen gewesen ist und nur deswegen nicht plötzlich aufhört, zu existieren, weil man sie in gerade moderne Formen sachlicher Nüchternheit nicht einpressen oder durch diese verstehen kann.

 

Was der Leser letztlich über diese spirituelle Welt für sich entscheidet, das bleibt natürlich unbenommen. Zumindest aber wird eine Vielzahl von „esoterischen Welten“ im Buch „vorgestellt“. Also, mal offen und neugierig lesen. Von einer Frau, die sich selber als Skeptisch bezeichnet, aber zugibt, das konkrete Erfahrungen sie „stark aufgerüttelt haben“.

 

M.Lehmann-Pape 2011