Metzler 2014
Metzler 2014

Jens Schröter – Handbuch Medienwissenschaft

 

Fundierter Über- und Einblick in die kulturwissenschaftlich orientierte Medienwissenschaft

 

Die Gesellschaft beschreibt sich selbst als „Informations-, Wissens-,  oder Mediengesellschaft“.

Die Nachfrage nach Ausbildungsplätzen in den Medien, ausdifferenzierten Studiengängen im Medienbereich und Arbeit in den Medien zeigen auf: Die Medien und damit die Medienwissenschaften nehmen einen immer größeren, sehr zentralen, Platz in der Gesellschaft ein.

 

Auf diesem Hintergrund setzt sich Jens Schröter als Herausgeber mit dem aktuellen Stand im Blick auf die Medienwissenschaften auseinander und führt sehr sorgsam, ausführlich und fundiert durch die „großen Bereiche“ mit ihren vielen „Unterthemen“.

 

Eine historische Darlegung der Entwicklung der Medienwissenschaften zeigt zunächst auf und begründet die konkrete Herangehensweise und Struktur dieses Handbuchs (im ersten Hauptteil, auch der Ort der Begriffsbestimmungen).

 

.Eine Gliederung „entlang einer Liste von dynamischen Kontroversen“ entsteht, die sich mit der „theoretischen Modellierung“ (Medientheorien) auseinandersetzt, sich dann den Kontroversen um die „Gegenstände“ zuwendet (Einzelmedien), um am Ende mit den Kontroversen um die „Abgrenzung“ nicht zu enden, sondern vielfach neue Perspektiven aufzuwerfen (bei denen die sehr ausführlichen und konkret zu den einzelnen Kapiteln dargelegten Literaturangaben eine wertvolle und informationsreiche Hilfe darstellen).

 

Perspektiven, die in diesem Handbuch vor allem auf dem Hintergrund seiner inneren Vernetzung der verschiedenen „Medien der Medien“ in Theorie und Praxis entspringen und gerade im letzten Hauptteil unter Zusammenführung von Ergebnissen aus den drei ersten Hauptteilen aufzeigt, wie verkettet und vernetzt die Medienwissenschaften im kulturwissenschaftlichen Bereich vorliegen und sich wiederfinden.

 

Schnittstellen und „Befindlichkeiten in anderen Fachbereichen“, die bereits im dritten Hauptteil, der Zuwendung zu „Einzelmedien“, immer wieder in den Blick geraten und im letzten Hauptteil ihre vielfachen „Spuren“ in anderen Fachbereichen zeigen.

Denn an vielen Orten stellen sich beobachtbar, analog zu den Medienwissenschaften, Fragen nach den Medien und der Medialität.

Von der Theologie über die Philosophie zur Kunst- und Sprachwissenschaft, von der Kommunikationsforschung über die Politikwissenschaft zur Designwissenschaft und an vielen Orten mehr.

 

Hier stellt das Handbuch dar, wie verschieden die Berührungsfelder waren und sind. Anregungen aus der Medienwissenschaft werden aufgenommen oder auch aktive Kooperationen finden statt bis dahin, dass aus solchen Berührungen ganz neue Felder der Kooperation und der Forschung sich ergeben (Digital Humanitas oder Cultural Studies).

 

Bis dahin, dass sich aus manchen „getrennten“ Fachgebieten ganz eigene, neue Studienzweige und Forschungsbereiche ergeben.

Sei es „Mediensoziologie“, „Medienrecht“, „Medienökonomie“ oder „Medienpsychologie“.

 

Sowohl also der dritte Hauptteil zu den „Einzelmedien“ als auch der vierte Hauptteil zu den „Schnittstellen“ bilden sehr differenziert die „Medienpraxis“ in der kulturellen Entwicklung ab, zeigen die Verflechtung der modernen Medienwissenschaft in fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens auf (und durch welche Medien dies jeweils von statten geht).

 

Eine sehr fundierte Darstellung, die ebenso fundiert und überzeugend im zweiten Hauptteil der Medientheorien zu Grunde gelegt wird (mit allen Kontroversen, Abgrenzungen, Entwicklungssprüngen und homogener Entfaltung der Medienwissenschaft in sich und mit vielfachen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens).

 

 

Nicht einfach in der Sprache, teils komplexe Zusammenhänge auch auf einem gewissen Abstraktionsniveau darstellend, bietet dieses Handbuch einen hervorragenden Blick auf den aktuellen Stand der Medienwissenschaft mit ihren vielfältigen Ausdifferenzierungen und Vernetzungen in andere Fachgebiete hinein. Ein Standardwerk zur Medienwissenschaft ganz gewiss.

 

M.Lehmann-Pape 2014