Herder 2016
Herder 2016

Jens Spahn, Markus Müschenich, Jörg F. Debatin – App vom Arzt

 

Lifelogging als gesundheitliche Hilfe

 

Einerseits stehen die lauten, kritischen Stimmen im Raum, die sich zum „Schutz der Privatsphäre“ massiv einsetzen, die klare Regelungen für den Schutz des Individuums fordern und den „Datenhunger“ von Staat, Wirtschaft und der social media als äußerst bedenklich einstufen.

 

Andererseits führen Millionen von Usern bereits ein umfassendes Lifelogging mit Fitnessarmbändern, Smartwatches und Handy durch.

 

In diesem schmalen und dennoch innformativ gehaltvollen Band wenden sich die Autoren der medizinischen Nutzung digitaler Instrumente zu und stellen durchgängig klar, dass ein restriktiver Datenschutz eben auch einen „echter Innovationskiller“ für den Fortschritt der Medizin darstellt.

 

„Denn niemand mehr im Gesundheitswesen profitiert mehr von einem effizienten Austausch der Daten als der kranke Patient. Ein Argument, egale, wie man persönlich zum „Datensammeln“ durch „andere“ steht, das schwer von der Hand zu weisen ist. Denn schon bisher (und zu allen Zeiten) ist die möglichst genaue und umfassende Diagnostik der Garant für eine dann hilfreiche Therapie.

 

„Gesundheit erhalten durch auf den Einzelnen zugeschnittene Therapien“, darin spiegelt sich der medizinische Stand der Gegenwart. Eine Haltung, die sich, geht es nach den Autoren, in Zukunft noch deutlich intensiver entfalten soll (und muss), so dass eine möglichst umfassende und breite Datengrundlage für medizinische Probleme und konkrete Krankheiten vorliegt.

 

Schritt für Schritt nun beschreiten die Autoren (ohne jedes Marktgeschrei, sondern sachlich und nüchtern) einen Weg, dem Leser die Vorbehalte zumindest mit kritischen Anfragen zu versehen.

 

Dass die Menschheit im digitalen Zeitalter bereits lebt und dies mit rasender Geschwindigkeit (und zwar unter aktivem Mittun eben jener „User“) weiter voranschreitet. Dass „Daten“ der „Rohstoff der Zukunft“ sind und eine höhere Lebenserwartung (so man daran interessiert ist) auch eine andere Gesundheitsversorgung erfordern wird.

 

Besonders interessant ist dabei jener Teil im Buch zu lesen, in dem die Autoren beschreiben, was im Augenblick bereits an „Internetmedizin“ möglich ist und wie wenig Krankenkassen tatsächlich Zugang zu namentlich gekennzeichneten, persönlichen Krankendaten besitzen.

 

So kommen die Autoren am Ende zwingend aus der eigenen Argumentation heraus (und sehr geschlossen in der von ihnen vorgenommenen Analyse) zu dem Ergebnis, dass Smartphones zum „täglichen Gesundheitsbegleiter“ werden können. Und, wenn man die Lage ehrlich betrachtet, auch werden werden.

 

Eine durchaus interessante, in sich geschlossene und in informative Lektüre, die viel Einblick in die digitale Medizin bietet, in der aber anderseits unverhohlen und beständig der Lobgesang auf die Digitale Medizin in den Vordergrund rückt. Was auf Dauer den rein informationsinteressierten Leser eher abschreckt.

 

 

 M.Lehmann-Pape 2016