UVK 2014
UVK 2014

Johanna Muckenbauer –Arbeit ohne Ende

 

Eine differenzierte Untersuchung zum Thema der „neuen Selbstständigkeit“

 

Aussteiger, Selbstverwirklicher, kostengünstig Ausgelagerte, Scheinselbstständige, Sklaven mit nur vermeintlicher Freiheit, Selbstausbeuter oder doch ein Modell für die Zukunft?

 

„Solo- oder Mikroselbstständige“, mithin in der Vielzahl Ein-Personen-Unternehmen (oder kleine bis kleinste Kooperativen“ bilden seit Jahren bereits einen zunehmenden Bereich (nicht nur) im deutschen Wirtschaftsleben. Wobei neben „allgemeinen Eindrücken“ aus je subjektiver Sicht bis dato wenig differenzierte Untersuchungen vorliegen, ob diese Form der Selbstständigkeit mehr nun eine „Selbstverwirklichung“ darstellt oder eine „Selbstausbeutung“ (die vielfach eher aus der Not heraus geboren wurde durch das allgemeine „Outsourcing“ vieler ehemals interner Firmenaufgaben an „Selbstständige“).

 

Wie nun sieht sie aus, die „Arbeitsrealität der neuen Selbstständigen“? Das ist Thema und Leitfrage dieser Untersuchung durch Johanna Muckenbauer.

 

Hierzu setzt Muckenbauer als Messlatte die „Aufteilung der Zeit zwischen Arbeit und anderen Bereichen des Lebens“. Aus der bis dato landläufigen Erkenntnis heraus, dass „zu lange Arbeitszeiten    ……. Sich negativ auf das Privatleben und Wohlbefinden auswirken“.

Und das in einer formalen Rahmung, die eben keine festen Zeiten vorgibt, sondern in dem der „neue Selbstständige“ (wie letztlich ja jeder Selbstständige) „Herr der eigenen Zeit ist“, aber auch Alleinverantwortlicher für die materiellen Ergebnisse seiner Arbeitszeit.

 

Aufgrund nun aber welcher intrinsischer Motivationen, struktureller Zwänge und gesellschaftlicher Normen kommen die (erkennbar mehr) Arbeitszeiten für Selbstständige zustande und auf welchem Wege und wie „handeln Selbstständige ihre Arbeitszeit mit sich selber aus“?

 

All dies sind Gegenstände der Untersuchung und werden im Lauf der Lektüre durchaus teils auch kleinteilig umfangreich beantwortet.

 

Zunächst auf der „Makroebene“ durch die Darlegung von Bedingungen und Ideal- und Fremdbildern der Selbstständigkeit.

 

Sodann finden auf der “individuellen Ebene“ Darstellungen und Auswertungen von Interviews und quantitativen Analysen statt. Ein Blick auf die Praxis, die folgerichtig einmündet in eine Auseinandersetzung mit der Bedeutung des Themas der Arbeitszeiten für die betroffenen Selbstständigen. Mit auch dem Ergebnis, dass „überlange Arbeitszeiten“ tatsächlich im gesamten Spektrum der Solo- und Mikroselbstständigen vorhanden sind.

 

All diese Ergebnisse arbeitet Muckenbauer ein in die Erläuterung der konkreten Ursachen der überlangen Arbeitszeiten und deren letztendliche Bedeutung für den Selbstständigen, eine Erarbeitung, die zur Darstellung von übersichtlichen und sachlich begründeten Typologien dann dient.

 

So dass der Leser als Essenz dieser fundierten Untersuchung die entsprechenden Motivationen, aber auch Notwendigkeiten für Selbstständige auf dem Markt einordnen kann in die Bereiche der Typologie subjektiven Arbeitsdefinitionen, der Anerkennungstypologie, der Wohbefindenstypologie und der Typologie der Einflussfaktoren auf die Arbeitszeiten,

 

In einer Korrelation dieser Typologien finden sich die Begründungen für den Umgang miz der Zeit bei Selbstständigen.

 

 

Alles in allem schließt dieses Werk zunächst eine Lücke der Untersuchungen in diesem speziellen Gebiet und bietet (nicht nur, aber gerade) auch für die institutionelle Seite und Bewertung der Solo- und Mikroselbstständigkeit eine Fülle von weiterführendem Diskussionsstoff.  Sprachlich erfordert dieses Werk eine hohe Konzentration bei der Erarbeitung der Inhalte und ist in erster Linie interessant für im Bereich wissenschaftlich Tätige.

 

M.Lehmann-Pape 2014