Ullstein 2017
Ullstein 2017

Jon Christoph Berndt – Aufmerksamkeit

 

Die Fähigkeit zur Aufmerksamkeit zurückgewinnen

 

Als „Marken Guru“ wird Berndt durchaus breit bezeichnet. Als einer, der einer Marke, einer Branche, einer Sache oder einem sprachlichen Inhalt eben „Aufmerksamkeit“ zu verschaffen vermag.

 

Seien es dabi das Branding, der Markenkern, die Entfaltung einer Markenidentität, vielfach sind die einzelnen Elemente und Instrumente, die Berndt umfassend nutzt, um die dringend benötigte, aber mehr und mehr sich verzettelnde und damit seltener werdende „Aufmerksamkeit“ herzustellen.

 

 Damit positioniert Berndt, um ins einer Sprache zu bleiben, sich selbst in Person als „Marke“ und führt sein Thema, „Top-Aktuell“ vor die Augen des Lesers. Und das nicht nur in Bezug auf „Marken“ im Sinne von Firmen oder Unternehmungen (auch die finden natürlich im Buch genügend Futter und Material an Anregungen für die eigene Sache), sondern auch ganz persönlich individuell bietet das Buch einen echten Gewinn.

 

Der wer in einer Welt von, „Senden, Senden, Senden“ tatsächlich auch einem „zu Wort kommen will“, respektive also „Aufmerksamkeit“ sucht, der wird zu schätzen wissen, wie ruhig, klar gegliedert und überzeugend Berndt im Buch den Weg weist.

 

„Es war meine Vorlage, und jetzt hat er sich das Gespräch unter den Nagel gerissen“.

 

Ärgerlich, muss aber demnächst nicht mehr sein, könnte man flapsig formulieren.

 

Wobei der erste „Gedankendreher“ bereits am Anfang gesetzt wird und durchaus ein roter Faden und Kern im Buch verbleibt.

 

Eine der wichtigsten Kompetenzen, um “Aufmerksamkeit“ für sich herzustellen ist, man glaubt es zunächst kaum (und wird umgehend eines Besseren belehrt), das „Zuhören“. Was man eher als Gegenteil von Aufmerksamkeit verstanden hätte. Aber nicht „irgendwie“ Hören, sondern aktiv, verstehend, zugewandt, eben selbst „aufmerksam“ im Kontakt mit anderen.

 

Im Übrigen, das es einem oft begegnet, dass die größten Schweiger in Gruppen in den Gedanken der anderen einen hohen Anteil einnehmen, das kennt man durchaus aus den Erfahrungen des Lebens und das passt dann wieder in Berndts Ausführungen, dass echtes Zuhören ein wichtiges Moment ist, um selbst Aufmerksamkeit dann zu erhalten.

 

„Echte Beziehungen brauchen echten Dialog“ Und echter Dialog führt automatisch zu gegenseitiger Aufmerksamkeit im Sinne einer Konzentration auf einen Reiz inmitten der zig-fachen Reize, die uns inzwischen überall umgeben.

 

Was zum einen kein sonderlich kompliziert zu verstehender Vorgang ist (eine der Stärken des  Buches ist die gute Verständlichkeit), was auch keine unbedingt neue Entdeckung ist (Carl Rogers mit seiner „Empathie“ als wichtige therapeutische Kompetenz, Gordon mit seinem „aktiven Zuhören“, Gentlin mit dem „achtsamen Hören auf den eigenen Körper“ In seiner Focusing Methode, die in der von Berndt angesprochenen „Fokussierung“ nicht ohne Grund indirekten Widerhall findet.).

 

Bis es dann gelingt, was als Mittel zum Zweck zur Könnerschaft führt: „Viel sagen ohne viel zu sagen“.

 

Sich selbst klar haben und auf den Punkt kommen und bringen können und empathisch den Anderen Verstehen, darin gelingt ein Miteinander und darin entsteht Aufmerksamkeit. Eine Übung, die weite und weitere Kreise ziehen wird, wenn man sich darauf einlässt. Und das Buch lädt hervorragend dazu ein.

 

M.Lehmann-Pape 2017