Hanser 2016
Hanser 2016

Josef H. Reichholf – Evolution

 

Sachkundig und ästhetisch umgesetzt

 

Schon in seinem letzten Werk über die „Vogelwelt“, wie auch in manch anderen Themen zu anderen Zeiten, hat Josef H. Reichholf verdeutlicht, dass ihm nicht nur der Inhalt, sondern auch das „drum herum“ zu konkreten Sachverhalten ebenso bedeutsam ist, wie die Form, in der er schreibt und sein Werk je illustriert.

 

All dies gilt auch für sein neues Werk, in erkennbar komprimierter, aber in keiner Weise oberflächlicher Form die gesamte Evolution des Menschen nachzuvollziehen und diese, reich illustriert und sehr verständlich und flüssig verfasst, Schritt für Schritt nachzugehen.

 

In weiten Teilen dabei im Hintergrund den Gedanken eben auch mitlaufen lassend, wohin sich diese Evolution entwickeln könnte. Nicht nur das Geschehene somit, sondern auch das, was sich aus dem „roten Faden“ der Evolution selbst an Prognosen ableiten lässt, an gegenwärtig auch „geschehender Evolution“ ist in guter Weise Reichholfs Thema mit im Buch.

 

„Denn je größer unsere Eingriffsmöglichkeiten werden, desto umfänglicher werden wir sie auch nutzen“.

 

Mit Folgen. Denn Evolution ist keine Einbahnstraße, führt Reichhilf aus, kein „immer besser und schöner“, sondern hat auch bedrohliche Seiten. Wie z.B. aktuell in der sich steigernden Verbreitung multiresistenter Keime 8was Bakterien angeht) oder mutierender und damit schwer zu behandelnder Infektionskrankheiten (Viren). Evolution heißt eben auch, das alles Leben sich entwickelt, überleben will, sich anpasst, neuere, bessere Wege für die eigene Spezies sucht und damit evolutionäre Ereignisse einander beeinflussen und bedingen. Diese Verbindungen sind es, die Reichholf plakativ zu beschreiben versteht und damit dem Leser einen tieferen Einblick in die Abläufe der Evolution vermittelt, als es nur einige bekannte Merksätze oder Stichworte vermögen würden.

 

Und auch das gilt, trotz aller Krankheiten, Bakterien und Viren: „Menschen, nicht wilde Tiere, sind die schlimmsten Feinde anderer Menschen“. Gehört das zur „normalen“ Evolution oder ist der Mensch als Art, als Lebensform irgendwie „aus der Art geschlagen“?


Fragen, die Reichholf aufgreift, ohne dabei die bisherige Entwicklung im Rahmend er Evolution zu kurz kommen zu lassen. Fragen, anhand derer er zudem die „Schönheit(en)“ des Lebens, die Vielfalt der Arten zu Wort kommen lässt und die hinter dieser „Schönheit“ liegenden Regeln und Gesetzmäßigkeiten auf den Punkt benennt.

 

Bis dahin, auch die Verschiedenart der Kulturen und der Religionen mit als Teil der (sozialen) Evolution zu betrachten und auch hier dem Leser differenzierte Einschätzungen zur Verfügung zu stellen.

 

So bietet dieses Buch weit mehr als nur eine „trockene“ Darstellung des aktuellen Standes der wissenschaftlichen Forschung zur Evolution, sondern vielmehr entwirft Reichholf ein breites und buntes Bild des Lebens und verleiht seiner Hoffnung Ausdruck, dass durch die modernen Möglichkeiten der Vernetzung und der immer mehr globalisierten Welt eine „geeinte Menschheit“ neue Entwicklungen (Evolution) hervorbringen wird.

 

 

Ein hervorragendes Buch.

 

M.Lehmann-Pape 2016