C.H.Beck 2014
C.H.Beck 2014

Josef   H. Reichholf – Ornis

 

Breite Darstellung der Ornithologie

 

Auch wenn die Beobachtung, das Erforschen von Vögeln nicht mehr unbedingt zu den verbreitetesten Hobbys zählt (anders als zu Zeiten der Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert und weit in dieses hinein, nicht nur in den angelsächsischen Ländern), es gibt sie durchaus noch.

 

Jene Vielzahl von Menschen, denen die „Vogelkunde“ intensive Beschäftigung bedeutet, die, weitgehend dann professionell, „in die letzten unerforschten Winkel der Erde“ vordringen.

 

Josef H. Reichholf war und ist einer von diesen. Von Jugend an fasziniert von den Vögeln, Zoologe geworden, von 1974 bis zu seinem Ruhestand vollzog er dies im Rahmen der Ornithologie als Leiter der Sektion Ornithologie an der Zoologischen Staatssammlung in München.

 

Seine ganz persönliche Faszination an diesen gefiederten Wesen legt er in diesem Buch nun vor und verschafft zugleich dem Leser einen breiten Einblick in die Vielfalt der Ornithologie selbst.

 

Neben nämlich naturwissenschaftlichen Darstellungen im Buch, was „die Natur der Gefiederten“ ausmacht (Artenbestimmung, Aufbau des Körper, Brut und Fortpflanzung, Verdauung, Sinneswahrnehmungen der Vögel) kommen im Buch zum einen durchaus breit seine eigenen Schwerpunkte zum Tragen (die „Feder“, das „Prachtgewand“, das „Rätsel der Entstehung) und zum anderen wirft Reichholf einen ebenso ausführlichen Blick auf die ganz praktische Arbeit des Ornithologen (Monitoring, Abgrenzung der Arten, Vogelgesang, Wintervogelzählung  u.a.).

 

Das nun „Vögel beobachten - immer und überall faszinierend“ ist, das ist sicherlich Neigungsabhängig, durchaus aber vermag der Leser im lebendig dargelegten Buch ohne Weiteres nachzuvollziehen, was Reichholf selbst an Faszination antreibt.

 

Viele grundlegende Informationen vermittelt er dabei. Was Amseln mit der Klimaerwärmung zu schaffen haben, warum Kraniche als „erfolgreiche Vögel“ bezeichnet werden können, wie ein „Vogelzug“ von statten geht (und warum).

 

Zu guter Letzt unterlässt es Reichholf auch in bester Weise nicht, auf das „moderne Leben“ der und mit den Vögeln hinzuweisen.

Wie viele Arten bereits verschwunden sind, das Vogeljagd Konsequenzen nach sich zieht, die bei näherer Ansicht kritisch zu sehen sind, wie eine „Leben miteinander“ funktionieren kann und manches mehr.

 

Alles in allem eine sehr breite und umfassende Darstellung der Ornithologie und der „Vögel an sich“. Ein Buch, das für jeden, der sich der Ornithologie zugewendet empfindet, eine wunderbare Lektüre darstellt, dass andererseits natürlich für jene Leser, die dieser „Faszination“ eher neutral gegenüber stehen wenig austrägt. Man muss somit Vögel schon mehr als nur „von Ferne“ mögen, um mit diesem Buch ganz auf seine Kosten zu kommen

 

M.Lehmann-Pape 2014