wbv 2011
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Josef Schrader – Struktur und Wandel der Weiterbildung

 

Die Folgen wohlfahrtstaatlicher Politik auf die Weiterbildung

 

Josef Schrader legt mit diesem Buch eine umfassende und kleinteilige Untersuchung zum Stand der Weiterbildung in Deutschland vor, die trotz der gründlichen Darstellung und Recherche die großen Bögen nicht vernachlässigt.

 

Im konkreten betrachtet die Untersuchung die Struktur und den Wandel in der Weitebildung seit der Bildungsreform spätestens der 70er Jahre des letztens Jahrhunderts. Zugrunde liegt Schraders Habilitationsschrift zum Thema aus den 90er Jahren, die nun erweitert und in größeren Zusammenhang gestellt wurde. Deutlich arbeitet Schrader hierbei zu Beginn heraus, dass die Weiterbildung nach heutigem Verständnis sich im Zuge wohlfahrtstaatlicher Politik entwickelte, aus einer „großen Koalition“ von Bildungspolitik, Wissenschaft und Praxis heraus. Zielrichtung dieser „Bildungsreform (fast Revolution) war eine langfristig angelegte gesellschaftliche Modernisierung. Die Einlassungen zu den Anfängen und, vor allem lesenwert im Buch, die beginnende und sich weiter hindurchziehende Professionalisierung (mit der Einrichtung pädagogischer Studiengänge) bieten im Buch ein hervorragendes Bild der Grundstruktur und der ersten Entwicklungen eines breiten Bildungssystems, dass heute zu den Selbstverständlichkeiten des Landes gehört und vielfach genutzt wird.

 

Wie haben sich im Lauf der Zeit Modernisierungsstrategien genau ausgewirkt? Dies ist die inhärente Leitfrage des ersten Teils des Buches, eine Frage, die Schrader umfassend betrachtet und zu Antworten führt.

 

Am Beispiel Bremens zeigt Schrader weiterhin exemplarisch die Wandlung der Gesellschaft an sich auf, die neue Herausforderungen und Inhalte auch an die Bildungsangebote stellt. Ein Wandel, der sich in Lernbereichen, Fachbereichen, in den Formen von Veranstaltungen und im konkreten Angebot allgemeiner, politischer und beruflicher Bildung ablesen lässt.

 

Ein stetiger Prozess des Wandels, der auch die Organisationsformen der Weiterbildung nicht unberührt gelassen hat (gerade die Entwicklung von „Qualitätssicherungen“ haben hier noch deutlich richtungsweisend gewirkt, wie Schrader im Buch ausführlich und einsichtig darlegt.

 

Einerseits also gelingt es Schrader ausführlich und in Teilen umfassend deskriptiv die faktische Entwicklung der Weiterbildung nachzuvollziehen, andererseits leiten sich aus seinen Darstellungen immer wieder zugrunde liegende Veränderungskräfte ab, die für die zukünftige Diskussion und Ausrichtung der Weiterbildung ebenfalls maßgebend sein werden. Weiterbildung ist kein starres gut, sondern immer wieder, wenn auch in gemächlicher Geschwindigkeit, dem Wandel der Gesellschaft anzugleichen und weiterhin zu entwickeln in Angeboten und Organisationsformen.

 

Das Buch bietet ein umfassende Studie zur wohlfahrtstattlichen Weiterbildung in Geschichte, Angebot und Organisationsformen mitsamt der Wechselwirkung zu gesellschaftlichen Veränderungen, die auch in naher Zukunft wesentliche Faktoren der Entwicklung darstellen werden. Als wissenschaftliches Buh in Form und Stil nicht für eine „entspannende“ Lektüre geeignet, das Buch will in der Vielzahl seiner Verweise erarbeitet und in die eigenen Überlegungen integriert werden. Im Gesamten eine hervorragende Darstellung der Bildungsgeschichte im Blick auf Weiterbildung und eine gute Grundlage für die weiterführende Diskussion.

 

M.Lehmann-Pape 2011