Klett-Cotta 2014
Klett-Cotta 2014

Karl Kerenyi – Die Mythologie der Griechen

 

Griechische Mythologie für Erwachsene

 

Es ist alles im Buch versammelt und vorhanden, was schon seit Kinder- und Jugendzeiten an klassischen Sagen und Personen erzählt wurde. Und natürlich noch viel mehr. Ein dicht gedrängtes Inhaltsverzeichnis und ein ebenso Vielfaches an Informationen im Buch erwartet den Leser.

 

Beiträge, die nicht in wissenschaftlich-abstrakten Dimensionen daherkommen, durchaus aber ihren religionsgeschichtlichen, ethnologischen, historischen Hintergrund aufweisen und das „allgemein Humane“ vor allem in den Mittelpunkt der Darstellung setzen.

 

Die „Mythische“ Ebene betritt Kerenyi und deutet auch tiefenpsychologisch, vor allem aber „allgemein menschlich“ den Kern all jener alten Geschichten, in denen vor allem Grunderfahrungen ausgedrückt werden, Hinweise auf das Leben, auf Ereignisketten und mehr in Hülle und Fülle zu finden sind.

 

„Götter und Menschheitsgeschichten“ bilden hierbei im ersten Hauptteil des Buches jene mythologische „Allgemeinheit“ des Lebens ab, während die „Heroengeschichten“ des zweiten Hauptteils all dies dann konkretisieren, für den damaligen Hörer und heutigen Leser der Legenden „das Leben“ in seinen inneren Verläufen, Stolpersteinen und Abläufen fassbar gestalten.

 

Okeanus und Thetys; Chaos, Gaia und Eros; Kronos, Rhea und Zeus, vorolympische Gottheiten, ein ausführlicher Blick auf Aphrodite; die „große Mutter“, Zeus und die Götter des Olymp bis hin zu Prometheus und Dionysos reicht der erste, „mythische“ Teil, der vieles an auch weniger Geläufigem zur Sprache bringt.

 

Klassische Sagen (wie Perseus, Sisyphos u.a.), die Herakles Geschichten und dann die „modernen“ Geschichten von Theseus über Ödipus, von Iason bis zu Achill und zum trojanischen Krieg legt Kerenyi im zweiten Teil dann ausführlich vor. Wobei weniger die mythologischen Sagen selbst nacherzählt werden (dazu gibt es vielfach andere Bücher), sondern interpretierend, eigentlich die Kenntnis der Geschichten an sich voraussetzend, Kerenyi interpretierend in die Tiefe geht. Dabei aber nicht versäumt, Geographien, Hintergründe, Herleitungen mit aufzunehmen..

 

Wobei gerade in Bezug auf mögliche Interpretationen einzelner Elemente das Buch doch auch hier und da mager daher kommt. In der Erzählung der Elemente setzt Kerenyi durchaus seine Schwerpunkte und verweist in der Einleitung auf mögliche Interpretationslinien, ein wenig mehr hätte man im Text selber aber schon erwartet.

 

 

Alles in allem dennoch eine umfassende Darstellung der „klassischen Mythologie“ mit vielfachen Verästelungen und feinen Details, ergänzt mit vielfachen Abbildungen im Glossar, die in den verbreiteten Erzählungen der alten Sagen und Legenden wenig Platz finden.

 

M.Lehmann-Pape 2014