Patmos 2013
Patmos 2013

Klaus Koziol – Gerade jetzt!

 

Der christliche Glaube als Antwort auf die Herausforderungen der Zeit

 

Das der christliche Glaube nur noch Randerscheinung ist, das in der modernen Welt eine „Wertevielfalt“ herrscht, in der alle möglichen Lebenswege ihr Rech besitzen. Das die „moderne Welt“ den „antiquierten“ christlichen Glauben nicht mehr braucht, mit solchen Gedanken will sich Klaus Koziol in keinem Falle abfinden.

 

Ganz im Gegenteil. Im christlichen Glauben, in den christlichen Werten und dem christlichen Menschenbild sieht und findet er Antworten für drängende Fragen der Gegenwart, Wege, die aus (selbstgeschaffenen) Krisen herausführen können und einem überbordenden Kapitalismus, der deutlich mehr Opfer als Gewinner hinterlässt, Paroli zu bieten vermag.

 

Angenehm ist, dass Koziol hier nicht den „Wunsch Vater der Gedanken“ sein lässt, nicht Argumente oder Beschreibungen in eine ihm passende Argumentation hinein biegt und auch nicht schlichtweg konservativ dogmatisch agiert.

 

In den vielfachen Betrachtungen in diesem schmalen Buch hält Koziol es durchweg durch, sachlich und dem Glauben gemäß vor allem gegenüberzustellen was an Werten „der modernen Welt“ zu gelten scheint, wie sich diese destruktiv auf ganze Gesellschaften auswirken und was die christliche Überzeugung dem an Werten gegenüber zu setzen hat.

 

Der christliche Glaube ist nicht gegen Wachstum, sucht aber das nachhaltige Wohl der ganzen Gesellschaft. Der Glaube stellt den Menschen in seiner Ganzheit in den Mittelpunkt, innerlich wie äußerlich und kann damit einer Degradierung nur als „Konsument“ entgegenwirken.

 

Der christliche Glaube setzt auf Solidarität mit allen, den Schwachen und Starken und sucht die auch innerlich ausgleichende Gemeinschaft, das „entfesselte moderne Leben der Gettoisierung“ führt, sichtbar und spürbar, zur Desintegration mit allen aggressiven Folgen und vielfachen Opfern, die dies nach sich zieht.

 

Es braucht, auch dies begründet sich im Christentum, eine Demokratie, die stark ist, angesichts der Gefahren, in eine Art des Feudalismus inklusive Leibeigenschaften wieder zurückzufallen.

 

Nun ist Koziol nicht blind und sieht, dass Menschen, die sich von solchen Überzeugungen und Hoffnungen tragen lassen, die Gott als real für ihr Leben ansehen, in der aktuellen Gesellschaft keinen leichten Stand haben (vielleicht auch, weil sie störend daran erinnern, dass der Mensch von Mehr lebt als nur vom Brot allein und materielles Wohlergehen nichts aussagt über die tatsächliche innere Befindlichkeit?).  

 

„Man denkt und sagt, ich sei ein Trottel“ (Johannes XXIII.)

 

Stimmt, angesichts der Egomanie der modernen Welt, sagt Koziol und ruft dazu auf, im Anblick dieser Welt stolz darauf zu sein, zu den „Letzten zu kurz gekommenen zu gehören“.

 

Natürlich ist das Buch vom Glauben getragen, Koziol macht keinen Hehl aus seiner inneren Begeisterung und Überzeugung, Und dennoch ist es gut zu lesen und in seinen Kerngedanken motiviert es zur Reflektion, weil Koziol sich nicht aufdrängt, sondern nur Werte (und deren Folgen) gegenüberstellt. Erst auf dieser Basis zieht er seine Schlüsse. Und bei dieser Gegenüberstellung muss sich der christliche Glaube in Bezug auf seine „Menschendienlichkeit“ wirklich nicht verstecken. Bei allen hausgemachten Problemen und Grenzüberschreitungen seiner irdischen Vertreter.

 

M.Lehmann-Pape 2013