C.H.Beck 2015
C.H.Beck 2015

Kurt Flasch – Der Teufel und seine Engel

 

Vielfach Interessant und weitgehend spannend zu lesen

 

Das Kurt Flasch mit einem gewissen „trockenen“ Humor an die Figur des Satan, Beelzeebub, Teufel herangeht, das zeigt im Ansatz bereits der Untertitel, „Eine neue Biographie“. Und, im Wortspiel, dann wiederum ist doch der wissenschaftliche Ernst dahinter erkennbar, denn es ist tatsächlich eine umfassende Biographie dieser „gefallenen“ Engelsgestalt und deren Geschichte durch die Zeiten hindurch.

 

Eine Geschichte, die aufs Engste, in Nähe und Distanz, in Angst und moderner Nicht-Beachtung des Teufels mit der menschlichen Kultur verbunden ist, im Westen wie im Osten, im Abendland wie im Morgenland (wo der Teufel, wie so vieles Grundsätzliche der Welt-Religionen, seine Herkunft findet).

 

Allerdings,, schon das eine interessante Information, nicht in den Anfängen der Bibel, sondern erst späterhin, in den apokalyptischen Überlieferungen des Neuen Testamentes ganz deutlich, vorher „angedacht“ in späteren Schriften und Auslegungen der jüdischen Überlieferung.

 

Auch wenn Lucifer oder Satan hier und da bereits Erwähnung finden mag, dieser „Verführer“, dieses „bösartige Dämon“, dieser „Weltenvernichter“ und „Seelenverderber“, der entfaltet seine eigentliche, bedrohliche, schreckliche, furchteinflößende Seite als Gegenteil alles „Guten und Edlen“ wohl tatsächlich erst im „dunklen Mittelalter“, in der Fortführung der neutestamentlich begründeten Tradition des „Gegenspielers Gottes“.

 

„Im älteren Judentum und im Islam blieb seine Selbstständigkeit beschränkt Christen waren es, die ihn erhoben zum mächtigen Gegenspieler Gottes. Er war im neuen Testament der Hauptfeind ihres Gottes, aber war ihm verdammt ähnlich“. So kam Satan auch als „Engel des Lichtes“, wie Paulus beschreibt. Die „Unähnlichkeit“ zwischen dem „Lichtwesen Gott“ und dem gehörten „Dämon“ Teufel, dies hat sich im Kern im Lauf vieler Jahrhunderte immer mehr entfaltet und ausgeprägt. Eine Entwicklungsgeschichte, der Kurt Flasch systematisch und philosophisch nachgeht, für die er Quellen und Brüche, Veränderungen und die allmähliche verblassende  Macht des Teufels in der Moderne nach der Aufklärung nachvollzieht.

 

Mit einem Schwerpunkt natürlich auf der „Hoch-Zeit“ dieser bedrängenden Figur im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit hinein. Wobei aber auch die Literatur (allen voran der „Faust“) nicht zu kurz kommt.

 

„Besessenheit und Hexerei waren die sichtbarsten Wirkungen Satans, beileibe nicht die einzigen. Er drohte und ängstigte, er gab auch zu denken. Wer war er? Wie stark konnte er werden?“.

 

Basierend auf der Deutung des Origines vom „gefallenen Engel“, der seitdem auf Rache gegen Gott sind und um Seelen ringt, vollzieht sich eine Machtgeschichte, eine Angstgeschichte sondergleichen, in der Satan als massives Druckmittel der Angst die „Hauptrolle“ zugesprochen bekommen wird.

 

„Jeder, sei es Mensch oder reiner Geist, werde zum Satan, wenn er sich gegen die Tugenden entscheidet“. Womit die ständige Gefährdung des Menschen bereits früh gesetzt wird und im weiteren Verlauf der Geschichte nur mehr und mehr eine differenzierte, abstoßende, „leibhaftige“ Gestalt in der religiösen Kulturgeschichte erhält.

 

Das bis in die Gegenwart hinein theologisch Gott und Teufel eng gedacht werden (was im Alltagsglauben kaum mehr eine breite, gewichtige Rolle spielt), führt für Flasch letztendlich zur einzig logischen Folgerung: Gott und Teufel zusammen erst ergeben das Bild des „Herren der Welt“ und „vermutlich muss Gott fahren lassen, wer Satan wirklich loswerden will“.

 

Eine steile These, die nicht unbedingt geteilt werden muss, ein sachgerechtes Werk, dass die „Sache mit Satan“ differenziert und fundiert vor die Augen des Lesers führt, wenn auch in Teilen doch sehr theoretisch und abstrakt manchen literarischen Darlegungen und kulturgeschichtlichen Vorstellungen nachgehend.

 

M.Lehmann-Pape 2015