Lambertus 2013
Lambertus 2013

Manuela Günthner, Wolfgang Sartorius, Titus Simon – Leben in Balance trotz Arbeitslosigkeit

 

Ein Programm zur Lebensbalance trotz und in belasteter Situation

 

„Arbeitslosigkeit bringt eine Fülle von Belastungen mit sich, steht sie doch in Zusammenhang mit nahezu allen Lebensbereichen“.

 

Vor allem, neben den finanziellen Einschränkungen aktuell und auf spätere Sicht hin gesehen, sind Gefühle von gesellschaftlicher Ausgrenzung und mangelnder Perspektive hoch belastend, mit Folgen durchaus auch für die gesundheitliche Befindlichkeit der Betroffenen.

 

Diese gesundheitliche Befindlichkeit setzen die Autoren (zunächst) zum Ausgangspunkt  ihres Programms „GanzMensch – InBalance“, welches im Buch detailliert dargestellt wird.

 

Ein ganzheitlicher Ansatz zur Verbesserung der Gesundheit in der psychisch belastenden Situation der Arbeitslosigkeit, der sich ebenfalls der Aktivierung der Teilnehmer verschrieben hat und in Kernlebensbereichen damit umfassend zu einer aktiven und konstruktiven Haltung der Arbeitslosigkeit gegenüber führen soll.

 

Zugrund liegt das Konzept der „Salutogenese“ nach Aaron Antonovsky, in dem ein enger Zusammenhang zwischen „Gesundung“ und „Lebensbalance“ in den elementaren Bereichen des Lebens zu Grunde gelegt wird. Im „Freudenstädter Projekt“ stellen die Autoren die daraus sich ergebenden konzeptionellen Eckpunkte konkret, fundiert und nachvollziehbar vor. Mit seinem Fokus auf dem „ganzen Menschen“, mit seiner je individuellen Ausrichtung, die Stärken, Schwächen, Notlagen, Interessen, Bedürfnisse und Wünsche je mit aufnimmt, Mit dem Ziel der „Stabilisierung von Lebensverhältnissen und Verbesserungen der Teilhabe am Arbeitsmarkt“. So dass sich zunächst eine „Balance“ ergibt, die dann (als Ziel) die Befähigung zum Arbeitsmarkt verbessert, aber auch ohne direkten „Erfolg“ auf diesem Arbeitsmarkt zu mehr Lebensqualität und Zufriedenheit führen soll.

 

Hierzu wird „GanzMensch“ eng verknüpft mit den Beratungsstrukturen für Arbeitslose vor Ort, ein Gesamtprogramm steht zur Verfügung mit verschiedenen, zielgerichteten Arbeitsgruppen und einem umfangreichen Veranstaltungsprogramm, das gezielt in den vier Breichen der Lebensbalance (Beruf und Leistung, Soziale Kontakte, Körper und Gesundheit, Sinn und Kultur) informieren und zur eigenen Aktivität befähigen will. Zur Erhöhung der Motivation arbeitet das Angebot mit einem Bonusprogramm für angenommene und besuchte Veranstaltungen und bietet so auf allen Ebenen Anreize und Inhalte zur Verbesserung der eigenen, konstruktiven Haltung zur aktiven Herangehensweise an die eigen, problematische Situation der Arbeitslosigkeit (nicht nur, aber mit einem Schwerpunkt auch der eigenen Gesundheit gegenüber).

 

Die Situation der Arbeitslosigkeit mit ihren speziellen Belastungen und Folgen dieser Belastungen wird hierbei im Buch ebenso sorgfältig geschildert, wie die theoretischen Grundlagen und konzeptionellen Überlegungen des Projektes.

 

Die Einbindung des Projektes in die beraterischen Abläufe und die Vielfalt eines möglichen Veranstaltungskanons kommen verständlich zu Wort, Im Gesamten würdigen die Autoren die Notwendigkeit eines durchaus hohen und umfassenden Aufwandes (der aber umsetzbar ist und bleibt), um gerade für Langzeitarbeitslose die Lebensqualität gezielt auf eine wieder aktive Hinarbeitung in das eigene Leben und auf den Arbeitsmarkt zu zu ermöglichen.

 

Eine Evaluation schließt die Darstellung ab, die noch einmal den hohen Praxisbezug und die Qualität des Projektes vertiefend darstellt.

 

Ein spannendes Projekt, im Buch gut dargestellt und eine wichtige Anregung zur Diskussion dessen,  was gerade im Blick auf Langzeitarbeitslose die Belastungen darstellt und zur Verbesserung der persönlichen Lage führen kann.

 

M.Lehmann-Pape 2013