Metzler 2006
Metzler 2006

Marcus Düwell, Christoph Hübenthal (Hersgb.) – Handbuch Ethik

 

Aktuelles Handbuch zu Wertefragen

 

Die Diskussion über Werte erlebt, nach Jahren der rein kaufmännischen Betrachtungsweise des Lebens, eine aktuelle und umfassende Aufwertung. Was Wunder angesichts der katastrophalen Egozentrik, die allumfassend und mit weitreichenden wirtschaftlichen Folgen um sich gegriffen hat.

 

Um über Ethik fundiert diskutieren zu können braucht es aber mehr als die Betonung irgendeines subjektiven „gesunden Menschenverstandes“. Ethik ist kein Bauchgefühl, sondern ein System durchaus argumentativ ableitbarer Regeln und Wertebetrachtungen mit einer Geschichte, die fast so alt ist wie die Menschheit selbst.

 

Marcus Düwell, Christoph Hübenthal u.a. legen als Herausgeber mit ihrem “Handbuch Ethik” das umfassendste und tiefgreifendste Standardwerk vor, dass zur Zeit erhältlich ist. In der zweiten, erweiterten Auflage finden sich in dichter und sprachlich komplexer Form Betrachtungen zu allen Bereichen und Begriffen ethischen Denkens, die überhaupt diskussionswürdig sind. Kein Begriff oder Gebiet wird ausgelassen.

 

Schon der erste Teil der Betrachtung ethischer Theorien im Überblick führt in wissenschaftlich exakter und logisch durchdachter Form in die grundlegenden Ansätze deskriptiver und normativer Ethik ein. Gerade der Blick auch auf kontextualistische Ansätze bietet mit dem Kohärenzbegriff und der Klugheitsehtik gerade für die gegenwärtige Diskussion wertvolle Hinweise.

Übergehend in die angewandte Ethik werden im Anschluss des bestens strukturierten Aufbaus des Buches wesentliche Themenbereiche einer knappen, sprachlich dem komplexen Thema entsprechenden, wissenschaftlichen Form genau jene Bereich mit diskutiert, die zur Zeit im Fokus des Interesses stehen.

Politische Ethik, Wirtschaftsethik, Medienethik, Kulturethik sind hier Stichworte, denen das Handbuch eine fundierte Grundlage verschafft.

Im Abschließenden Teil werden all relevanten, zentralen Begriffe der Ethik vorgestellt. Die Einlassungen zur Freiheit, Identität (lesenswert die erkenntnistheoretische Herangehensweise), Sittlichkeit und Sozialehtik mit dem verschobenen Blick vom einzelnen Gewissen auf die gemeinsame Verantwortung der sozialen Ordnungen seien hier noch besonders hervorgehoben, ohne an der Qualität der anderen Kapitel Abstriche zu machen.

 

Jedes der einzelnen Kapitel ist mit weiterführenden Literaturangeben versehen, bewegt sich auf wissenschaftlich hohem Niveau und ist trotz der teils hochkomplexer Sprache nachvollziehbar geschrieben.

Als Handbuch dient das Buch in bester Weise als Nachschlagwerk und erläutert jeweils den Themen angemessen die wesentlichen historischen Entwicklungen zu den jeweiligen Bereichen und Begriffen, sowie deren  aktuelle Bedeutung jeweils herausgearbeitet wird. Ein vergleichbares Kompendium wird auf dem Markt kaum zu finden sein.

 

Mit logisch strukturiertem Aufbau versehen, mit einem wissenschaftlich tiefgreifenden Hintergrund und einem umfassenden Blick in gesamter Breite auf die Ethik ist das Buch das Standardwerk schlechthin mit weitreichenden Impulsen für die gegenwärtige (und sicherlich auch zukünftige) Wertediskussion.

 

M.Lehmann-Pape 2010