J.B.Metzler 2017
J.B.Metzler 2017

Markus Schrenk (Hg.) – Handbuch Metaphysik

 

Sehr dezidierte Darstellung

 

Auch wenn die Autoren im Buch, von Markus Schrenk bestens strukturiert und miteinander kombiniert sich natürlich versuchen, dem Thema sprachlich verständlich zu nähern, bei diesem Thema sollte der Leser sich einiges an Zeit einplanen, um in den einzelnen Bereichen den nicht selten abstrakten Gegenständen zu folgen.

 

Das beginnt schon (auch wenn die nähere Beschreibung der Methoden der Metaphysik im Buch ans Ende gesetzt wurde) mit dem Blick auf die methodische Herangehensweise.

 

„Transzendentale Argumente sind daran erkennbar, dass wie für die Wahrheit oder Rechtfertigung einer Überzeugung argumentieren, indem sie zeigen, dass diese Überzeugung Tatsachen betrifft, die notwendige Bedingungen von anderen Tatsachen sind, welche wir dem Anschein nach nicht rational bezweifeln können“.

 

Anhand der Methodenbeschreibung (im Weiteren auch für den „Schluss auf die beste Erklärung“ (mit einer Hinwendung zu induktiven Schlüssen), die „Ontologischen Verpflichtungen“, die „Apriorische Metaphysik“ und die „Aposterische Metaphysik“ wird hinlänglich deutlich, dass Metaphysik eine echte „Grenzwissenschaft“ ist, in der der Geist sich weit dehnt und handfeste Klarheiten nicht durchgehend gegeben sind.

 

Diese letzten Kapitel zu den Methoden können im Übrigen durchaus als erstes gelesen werden, um der gesamten Lektüre einen roten Faden im Hintergrund zur Verfügung zu stellen.

 

„Obwohl klar scheint, dass man nur die Theorien für wahr halten sollte, die auch tatsächlich wahr sind, ist es doch oft nicht so einfach, zwischen verschiedenen Theorien zu entscheiden“.

 

Hierbei gibt das Handbuch dem Leser nun nicht „letzte Wahrheiten“ mit auf den Weg, doch die durchaus spannende Frage des Verhältnisses der Forderung der Einfachheit von Theorien und der „Sparsamkeit im Speziellen“, bei welcher auch die Unterscheidung zwischen Quantität und Qualität jener „ontologischen Sparsamkeit“ mit aufgenommen wird.

 

Insgesamt legt Schrenk als Herausgeber seine umfassende Betrachtung der (oft totgesagten und immer noch quicklebendigen) Metaphysik in sieben Teilen vor.

 

Deren Themenbogen reicht von der Definition des Begriffes über die Geschichte der Metaphysik von der Antike bis zur Gegenwart, um dann im dritten Teil „in medias res“ zu gehen mit der ontologischen Fragestellung, „was es gibt“, um dann noch weiter greifend zu fragen, was „Sein“ eigentlich bedeutet. Grundlegende Fragen der Existenz überhaupt, die im hochkomplexen sechsten Hauptteil „verortet“ wird, bevor die letzten beiden Kapitel sich der Philosophie, Logik und den Methoden zuwenden, um damit den Kreis zu schließen, welchen praktischen Umgang die Metaphysik mit den Erkenntnissen von „Sein“ und dessen „Verortung“ Umgang pflegt.

 

Sehr detailliert und ausführlich wendet sich das Handbuch dabei umfassend der Kernfrage zu, was Metaphysik überhaupt ist. Aus historischer, methodischer und von den Themen der Metaphysik her vollzogener Analyse nähern sich die Beiträge im Buch daher von verschiedenen Seiten ihrem Kern.

 

Was es also bedeutet „seiend“ zu sein, wo dies verortet ist (real in Raum und Zeit oder als abstrakte Vorstellung) und „wie es anders sein könnte“ sind dabei die vordringlichen Themen der Metaphysik, die sorgsam im Handbuch fundiert vor Augen geführt werden. Von der „Kaffeetasse“, deren Farbe, der Frage, was das Wesen solcher Sachverhalte ist, ist dabei ebenso Thema im Buch wie die weitergehenden Fragen nach der Veränderung von Eigenschaften (Prozesse und Dynamiken) bis hin zu den noch komplexeren Fragen, was eine Person ist, wie diese eine „Selbst“ ist, dass sich durch Prozesse in der Zeit verändert und doch „dasselbe“ bleibt bis hin zum „ontologischen Status von moralischen Werten und Normen“, die das Handeln von Personen prägend leiten.

 

Schon diese oberflächlichen Einblicke in die Breite und Komplexität der Thematiken zeigt, dass Metaphysik den Geist fordert. Wer sich für diese Wissenschaft interessiert, der wird in diesem Handbuch vielfach fündig werden und durch die klare Struktur der Themen im Handbuch Schritt für Schritt von eher „einfachen“ Beschreibungen her hin zu hochkomplexen Theorien und Erklärungsmodellen hingeleitet. Bis hin zu den Fragen, was die „Natur der Zeit“ ist, welche „Struktur der Raum hat“ und wie Raum und Zeit miteinander zusammenhängen.

 

Dass einige Themen im Handbuch nicht stattfinden (Was ist Kunst) Was ist Original= Was ist Kopie? Welche Schlüsse sind ontologisch aus Gender und Kultur? U.a.m) ist dabei eher ein Gewinn für die Lesbarkeit de Handbuches als ein   Mangel. Die ausführlichen und weitreichenden Literaturhinweise bieten auf jeden Fall Anregung genug, sich mit einzelnen Themen des Buches oder nicht berücksichtigten Bereichen ausführlich weiterführend beschäftigen zu können.

 

Bis hin zu den ganz der Metaphysik eigenen Themen (unabhängig von Berührungen mit der Naturwissenschaft) über das „Sein von Zahlen“ etwa oder über „Modalitäten und Möglichkeiten“ reicht die Darstellung im Handbuch und bildet so alles grundlegend wesentliche des Themenbereiches ab. Wobei auch die „Kritik an der Metaphysik“ gerade als eine die Empirie überschreitende Wissenschaft zu Wort kommt (auch als Ursache für Zeiten der Geringschätzung der Metaphysik gegenüber).

 

 

Das Handbuch bietet bei weitem keine einfache Lektüre und ist auch nur bedingt als Einstieg für Laien zu empfehlen. Um sich aber ein umfassendes Bild über die Historie, Themen, Theorien, Methoden und den aktuellen Stand der wissenschaftlichen Diskussion zu verschaffen, ist die Lektüre uneingeschränkt zu empfehlen.

 

M.Lehmann-Pape 2017