J.B.Metzler 2016
J.B.Metzler 2016

Markus Walz (Hg) – Handbuch Museum

 

Breite und fundierte Darstellung des öffentlichen Ortes „Museum“ in seine interdisziplinären Bezüge

 

Museen sind (und waren seit langer Zeit), „in“. Wovon nicht nur die bemerkenswerte Zahl an repräsentativen Neubauten kündete, sondern auch die stattlichen Besucherzahlen und die hohe staatliche, vor allem aber auch private Investitionsbereitschaft.

 

Marcus Waltz verfolgt bei diesem Handbuch (getreu dem Duktus der Metzler Handbücher), einen möglichst breiten und verständlichen Ansatz. Er geht daher nicht von Beginn und durchgehend in die mediae res der vielfachen und wenig geordneten Publikationen, sondern geht von Beginn an als „roter Faden“ des Buches vom Begriff „Museum“ aus und von dessen „Aktionsfeld“, betritt mithin zunächst das Feld der Praxis, der historischen Entwicklung dieser Praxis und, zudem, zum Ende hin der bedeutender werdenden Einflüsse anderer Wissenschaften (Sozialwissenschaften u.a.) für den weiteren Diskurs um diese kulturelle Institution.

 

Wobei dieser praktische Ansatz am Ende kulminiert in die Relation der Institution Museum zu den drei wesentlichen Bereichen der Wirkung des Museums. Museum und Gesellschaft, Museum und Ökonomie und Museum und Wissenschaft bieten als Schlagworte dann in großer und differenzierter Breite eine fundierte Darlegung wesentlichen Beziehungen und Bindungen der Institution an gesellschaftliche Kräfte.

 

Den gehaltvollen und wichtigen Teil des Werkes bilden aber die Betrachtungen der „Kernaufgaben“, die im Buch sehr sorgfältig und umfassend betrachtet werden.

 

Sammeln, Dokumentieren, Forschen, Bewahren, Ausstellen (das „Zeigen von Dingen als Dialog“ vor allem), Vermitteln (von Wissen, Informationen, aber auch in der direkten Begegnung mit vergangener und gegenwärtiger Kunst und Kultur) zeigen die Kernaufgaben des Museums in differenzierter Betrachtung, in der zugleich eine Form der Rezeption der Entwicklung vorliegt. Das Museen sich in der Regel nicht von innen und von selbst heraus verändern (ganz im Gegenteil), aber zu bestimmten Zeitpunkten von außen dazu fast „getrieben“ werden (wie im Übergang von der Moderne zur Postmoderne), ist informativ und  

interessant zu lesen. Wie das gesamte Handbuch dem interessierten Leser das gesamte Umfeld, die „Welt des Museums“ in ihren vielfachen Aufgaben auch hinter den Kulissen vor Augen führt.

 

Das alles in nicht unbedingt einfach zu nennender Sprache und mit vielfachen Vertiefungen spezieller Themen (Angewandte Ethik für Museumsfachkräfte im Rahmen einer allgemein gesellschaftlichen Verantwortung z.B.), die ebenfalls zum Verständnis eine hohe Konzentration benötigen.

 

Alles in allem aber eine der wenigen, im Umfang komprimierten und dennoch inhaltlich umfassenden Beschreibungen dessen, was die Institution Museum austrägt, was sie tut, was sie ist, wie sie entstanden ist und wie sie in der Regel ihre Kernaufgaben wahrnimmt. Mit einer Einordnung in die gesellschaftliche Position und die auf Museen einwirkenden Kräfte.

 

 

Für den am Thema interessierten ein dringend zu empfehlendes Werk.

 

M.Lehmann-Pape 2016