wbv 2014
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Martin Fischer (Hg.) – Qualität in der Berufsausbildung

 

Der Einfluss der Qualität der Berufsausbildung für den Arbeitsmarkt

 

„Diese deutschen Kids sind bereit für den Job, wenn sie die Schule abschließen. Sie wurden für die Jobs ausgebildet, die es gibt“. Sagt Barack Obama über die deutschen Schüler.

 

Das „duale Ausbildungssystem“ in Deutschland wird überall dort oft mit Interesse beobachtet, wo Krisen drohen, wo Jugendarbeitslosigkeit zunimmt. Die Verbindung von „Praxis und Theorie“ der Ausbildung unterhalb der Hochschulen ist ein Erfolgsmodell, das kann man sagen und das wird auch im Lauf der Lektüre dieses Buches noch einmal verdeutlicht.

 

Eine Form der Ausbildung, die im Übrigen sich nicht nur auf die „Lehrjahre“ beschränkt, sondern im Sinne des Postulats eines „lebenslangen Lernens“ sich auch in die berufliche Tätigkeit dauerhaft erstreckt.

 

Das Buch wendet sich vor allem der Darstellung der aktuellen Bewertung der Berufsausbildung im dualen System zu und bildet (auch in der inhaltlichen Struktur) die Ergebnisse einer Tagung zum Thema aus dem Jahre 2013 ab.

 

Wie ist die Entwicklung der Qualität in der Berufsausbildung einzuschätzen (Qualität in der Berufsausbildung gestern und heute) bietet dabei den Einstieg in das Thema.

Eine „Einbuße an integrativer Kraft“ wird hier ebenso kritisch konstatiert, wie aktuelle Qualitätsprobleme des Systems an sich thematisiert werden. Bei allen noch bestehenden Vorzügen und bei aller sichtbarer Qualität des Systems ist es gut, diese Warnzeichen differenziert vor Augen geführt zu bekommen, um gerade im Blick auf kommende Engpässe an nachrückenden Auszubildenden gegensteuern zu können.

 

Den empirischen Blick bietet in diesem Zusammenhang der zweite Teil des Buches.

Vor allem die Perspektiven der Betroffenen, der Auszubildenden fließen hier ein und betonen die unterschiedlichen Sichtweisen.

Auf Ausbilderseite die oft reine Ergebnisorientierung, auf Auszubildendenseite vor allem die Rahmenbedingungen der Ausbildung an sich.

 

Im dritten Teil reflektieren die Autoren die Ergebnisse aus berufspädagogischer Perspektive und wenden sich dem „Ausbildungspersonal“ zu. Maßstäbe, Sichtweisen, individuelle Förderung, Wirkung des OES-Konzeptes sind Stichworte, die hier verhandelt werden mit dem kritischen Blick auf die eher getrennt agierenden und verfassten „beiden Beteiligten“ des dualen Systems, Betrieb und Schule.

 

Modellversuche zu Qualitätssicherung finden ihren Platz im vierten Teil, bevor der abschließende Hauptteil des Buches wichtige Impulse für die Zukunft benennt und zum Diskurs anregt.

Sei es die Wertigkeit einer zu entwickelnden „Berufsbildungsverfassung“ (angesichts der verschiedenen, z.T. deutlich voneinander getrennten Beteiligten des dualen Systems), sei es die notwendige Überprüfung der, in den letzten Jahren (zu) stark gewachsenen Ansprüche an mögliche Auszubildende, die einen hohen Teil an Jugendlichen bis heute „durch das Raster“ fallen lassen.

 

 

Den „Soll- und Ist-Zustand“ mehr und mehr in Übereinstimmung zu bringen, hierfür liefert dieses Buch einen breiten Überblick auf den Status der dualen Bildung in Deutschland und bietet ebenso fundierte Hinweise auf „Baustellen“, die mittelfristig bearbeitet werden sollten, um die Qualität einerseits zu sichern und andererseits an den neuralgischen Punkten zu steigern.

 

M.Lehmann-Pape 2014