wbv 2011
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Martin Frenz, Tim Unger, Christopher M. Schlick (Hg.) – Moderne Beruflichkeit

 

Dienstleistung im Zuge der Professionalisierung

 

Durchaus langsam, aber stetig ändert sich die Art und Weise der Beruflichkeit in Deutschland. Aus einer Arbeitswelt, die ehemals zum überwiegenden Teil aus Industriearbeitsplätzen bestand, hat sich im Lauf der letzten Jahrzehnten der Wandel zu einer Dienstleistungsarbeitswelt mit zunehmendem Tempo vollzogen, auch wenn natürlich auch klassische Berufe noch in großer Zahl im Land vorhanden sind.

 

Anhand des (neuen) Arbeitsfeldes „Energieberatung“ werden nun durch die Autoren im Buch beispielhaft Qualifikations- und Kompetenzanforderungen benannt, die zu dieser (einer) Dienstleistung zuzuordnen sind und daraus folgend betrachtet, wie diese Anforderungen zu Berufsprofilen gebündelt werden könnten im Rahmen einer „personenbezogenen Dienstleistung mit offenem Ergebnis“. Im Rahmen des Forschungsprogramms „Innovationen und Dienstleistungen“ stellt das vorliegende Buch eine konkrete Betrachtung und Darstellung der Professionalisierungstendenz im Dienstleistungssektor dar, die anhand des konkreten Betrachtungsobjektes „Energieberatung“ breite Schlüsse auch für den allgemeinen Sektor der Dienstleistungen in sich trägt.

 

Hier zu wird konkreten Fragen nachgegangen. Vor allem jener, wie ein Übergang, ein Wechsel in die Dienstleistungsbranche vollzogen werden kann (anhand eines beispielhaften Fallbeispiels eines Bauzeichners anschaulich dargelegt und aus verschiedenen Blickwinkeln durchdekliniert).

 

Sichtweisen der Qualifikationsforschung, der Bau- und Gebäudetechnik, der Bauökologie, der Kompetenzdiagnostik, der Biographie- und Bildungsforschung und der Berufs- und Arbeitspädagogik bieten im Blick auf dieses konkrete Fallbeispiel jeweils im Buch ihre Analysen zu den notwendigen Schritten und den notwendig vorliegenden Kompetenzen, um einen solchen Wechsel vollziehen zu können.

 

Einerseits also liegt im Buch eine durchaus verengte und konkrete Fragestellung zu Grunde: „Wie und warum kommt ein Bauzeichner in der Energieberatung zurecht“, auf der anderen Seite bieten die einzelnen Artikel der Autoren und der gesamte Aufbau des Buches darüber hinaus Material an, durch welche auch andere Grundkompetenzen und andere anvisierte Wechsel in andere Dienstleistungsbereiche hinein abgeleitet werden könnten. Mit der wichtigen Einschränkungen, dass diese über den konkreten Fall hinausgehenden Schlüsse im Buch nicht dargelegt werden. Bewusst enthält das Buch keine Theorie zur Professionalisierung der Energieberatung. Der Fokus und die Stärke des Buches liegen so alleine auf der Schau des Zusammenwirkens verschiedener Fachrichtungen und damit einhergehend in der Erkenntnis, wie vielfältig bedacht ein Wechsel in eine Dienstleistungsbranche sein will (und muss), wie er aber auch ganz konkret gelingen kann.

 

Das Buch bietet einerseits eine sehr konkrete Betrachtung, deren allgemeine Auswertung durch diese nur angestoßen wird. Das Zusammenwirken verschiedenster Fachrichtungen zeigt auf, wie breit eine „moderne Beruflichkeit“ anhand des Beispiels eines Bauzeichners, der zum Energieberater hin sich verändert, reflektiert und auf den Weg gebracht werden muss mit einem besonderen Augenmerk auf den Bereich der strukturalen Bildung, welche Dreh- und Angelpunkt solcher beruflicher „Metamorphosen“ ist und bleibt.

 

M.Lehmann-Pape 2011