Carl-Auer Verlag 2017
Carl-Auer Verlag 2017

Matthias Eckoldt – Kann sich das Bewusstsein bewusst sein?

 

Die Frage nach der Herkunft des Bewusstseins

 

Wie hänge (nach Descartes) „Leib und Seele“, „materielle und geistige“ Welt zusammen. Wie kommen „zwei Wesenheiten“ in das gleiche „Behältnis“? Wie ist das entstanden? Kann das erklärt werden oder bleibt es auf immer ein „Geheimnis“?

 

Matthias Eckold geht in der Form des „Gesprächs“ sehr grundlegend der Frage nach, woher das Bewusstsein stammt. Wie es sich „bemerkbar“ macht und was dies, im Gegensatz zur aktuell vorherrschenden, scheinbar völligen Verhaftung des Menschen in der materiellen „Welt der Dinge“ an Bedeutung hat und was für Folgen sich daraus ergeben könnten (ja, sollten!).

 

„Lasst uns aufgeschlossen bleiben und sehen, inwieweit die Wissenschaft eine fundamentale Theorie des Bewusstseins entwickeln kann“, steht dabei ebenso als „zu behandelnde Frage“ im Raum des Buches, wie das Interesse am geistigen, komplexem Zusammenhang. „Angenommen, unser Wille ist nicht frei. Wie kommt es, dass uns dieser nichtfreie Wille dazu zwingt, so zu leben, als hätten wir einen freien Willen“?

Was den Leser umgehend in teils hoch abstrakte, philosophische und psychologische Zusammenhänge führt.

 

Klar wird auf jeden Fall, dass das, was jeder Mensch täglich und grundsätzlich automatisch nutzt, dessen Vorhandensein er weitgehend kaum in Frage stellt und was er als „Lenker und Denker“ seines Lebens betrachtet, das Bewusstsein selbst, ein gedanklich, in seiner Herkunft, in seinen Auswirkungen und in der Frage, wie das eigentlich in sich und sich selbst gegenüber funktioniert, ein überaus „schwieriges Problem“ darstellt.

 

„Es ist die Unklarheit darüber, was wir denn als eine Erklärung des Bewusstseins (naturwissenschaftlich, philosophisch, psychologisch und ganz handfest praktisch zugleich) akzeptieren würden“.

 

Verbunden vor allem mit der Grundfrage eines „monistischen Modells“ (einer von vielen Prozessen des Lebens, aus sich selbst heraus naturwissenschaftlich erklärbar) oder eines „dualen Modells“ (Bewusstsein als ganz eigenständiger Prozess, der zusätzlich zu den natürlichen Vorgängen im Gehirn entsteht“.

 

An diesem leichten Ankratzen an der Oberfläche einiger Themen des Buches wird bereits deutlich, dass (auch wenn alle Beteiligten sich bemühen, eine einfache, verständliche Sprache zu nutzen), wie komplex die vielfachen Fragen um das Bewusstsein sind. Und ebenso, auch das ist eine wichtige Leistung des Werkes, wird dem Leser eindringlich und wieder und wieder vor Augen geführt, von welch zentraler Bedeutung diese Frage letztendlich ist.

Denn Menschenbild, Ziele, Werte, Grundausrichtungen, durch welche Individuen und damit auch Gesellschaften sich formen und definieren, hängen mit der Frage der „Herkunft“ (und Wirkweise) des Bewusstseins unmittelbar zusammen.

 

Was alleine schon an der „mentalen Faulheit“ des Bewusstseins näher beleuchtet wird (Intuition steht auch bei hochintelligenten Menschen näher als sorgsame „Verstandesarbeit“, wie das „Baseball-Schläger“ Experiment Kahnemanns immer wieder verblüffend aufzeigt).

 

So wird bereits zu Beginn der Lektüre klar, dass es eines „wachen Verstandes“ bedarf, um den grundlegenden Prozesseigenschaften des Bewusstseins durch Erkenntnis nahe zu kommen.

 

Ein Weg, der in Breite und Tiefe im Buch gelingt und das Werk fast zu einem „Page-Turner“ werden lässt, dem der Leser mit wachsender Faszination folgt.

 

„Wenn Atome keine bewussten Zustände kennen, wieso dann einige wenige Organismen, die doch ihrerseits aus nichts als Atomen bestehen“?

 

Eine Frage, die ungeahnte praktische Bedeutung hat, nicht nur in den Religionen oder im Rahmen von Zen-Meditationen. Denn gerade in der Gegenwart scheint als, als würden immer mehr ungeprüfte Intuitionen ohne Limit als „Wahrheiten“ Grundlage gesellschaftlichen und persönlichen Handelns werden. Und damit der differenzierte, klare, „bewusste“ Weg der Prüfung von „Richtig und Falsch“, „Vor- und Nachteil“ zugunsten von „Befindlichkeiten“ die „Leitung der Erkenntnis“ einnehmen. Mit dann tatsächlich „unbewussten“ und nicht einschätzbaren Folgen.

 

Eine wichtige, anregende, grundlegende, aber nicht einfache Lektüre, die zur Reflexion des eigenen Handelns, der eigenen „schnellen Antworten“ und der „bewussten Ausrichtung“ des eigenen Lebens anregt. Die durch die dialogische Form der Behandlung der Themen es dem Leser vereinfacht, die Gedankengänge nachzuvollziehen.

Die zur eigenen Reflexion anleitet und damit aus der Theorie in die Praxis hineinreicht.

 

M.Lehmann-Pape 2017