Wellhöfer 2011
Wellhöfer 2011

Michael Krausnick (Hrsg.) – Denn Du bist mein Liebstes auf der Welt

 

Goethe und Christiane

 

Seit einigen Jahren bereits hat sich in der Forschung (vor allem durch Kleßmann und Damm) das ehemals eher tumbe, verächtliche und leicht spöttische Bild, das von Christiane Vulpius über ein Jahrhundert lang vorherrschte, eindeutig geändert.

„Und ist ein Mädchen dick und dumm, dann wird es Frau Goethe“, diesem Spottvers ist bereits seit langem der Boden entzogen worden.

 

Sicherlich war dieses Bild auch in der Haltung Goethes selbst begründet, der über die Jahre hinweg eher den Makel einer „wilden Ehe“ auf sich, vor allem aber auf Christiane nahm (denn der Dichterfürst war weitestgehend von allzu bösartiger Kritik immer ausgenommen). Andererseits aber ist seit mehr als 20 Jahren deutlich (und wird auch in diesem schmalen Buch von Krausnick betont), war in Goethes Augen Christiane Vulpius „das Beste, was ihm im Leben passiert ist“.

 

Ja, es war ein Skandal, nicht nur im engeren Kreis in Weimar. Beileibe nicht aufgrund der unehelich gehaltenen Verbindung, sondern vor allem, weil Christiane als „unwürdig“ galt. Vom unteren Stand, eines Genius wie Goethe nicht angemessen. Und dann bekam diese Christiane auch noch ein Kind von Goethe (den Sohn, den Goethe noch zu Lebzeiten zu Grabe trug).

Goethe selbst aber gibt ein ganz anderes Zeugnis ab, trotzdem ihn der Standesunterschied letztlich nicht kalt ließ. „Ich gebe gerne zu, dass ich dies Mädchen leidenschaftlich liebe“, schreibt er von einer Reise an einen Freund.

 

Michael Krausnick nun macht sich auf, die Geschichte dieser Verbindung zwischen Christiane und Goethe, die nach langen Jahren der Beziehung dann doch auch zum Traualter führte und die durch den Tod Christianes den Dichter später in tiefe Trauer stürzte, dem Leser vor Augen zu führen. Hierzu lässt er beide selbst mit zu Wort kommen durch eine Vielzahl von (knapp kommentierten) Briefen, Dokumente aus jener Zeit, aber auch aus Versen Goethes lässt sich das innige Verhältnis beider durchaus ableiten.

Auch die Begeisterung der Mutter von Goethes wird im Buch aufgedeckt und vertieft in ganz eigener Sprache den Eindruck einer wirklich passenden, herzenswarmen Frau an Goethes Seite.

 

Auf nur knapp 100 Seiten legt Krausnick in diesem Sinne ein beredetes Zeugnis durch die Worte der Beteiligten selbst vor, dass einen exemplarischen Einblick in diese ganz besondere Beziehungsgeschichte ermöglicht. Die Auswahl der Texte, Briefe und kleinen Verse ist dabei sehr gut getroffen und vermittelt ein eindrucksvolles Bild Goethes als „leidenschaftlich Liebender, der sein Leben lang zu seiner Liebe stand“.

 

M.Lehmann-Pape 2011