S.Fischer 2010
S.Fischer 2010

 

Philipp Erlach, Thomas Reich (Hrsg.) – Vom Sinn des Lebens

 

Für jede Gelegenheit

 

Generationen von Menschen, Dichtern, Denkern, Philosophen waren und sind immer noch auf der Spur dessen, was das Leben innerlich ausmacht. Was Glück, Sinn, ein gehaltvolles Leben sein mag.

 

Eine Lebensaufgabe zur Beantwortung dieser Frage, die sich letztlich jedem denkenden Wesen stellt. Zum Glück muss nicht jeder und jede jeweils bei Null wieder anfangen. Vielfach wurde über dieses existentielle Thema bereits nachgedacht. So vielfach, dass weniger ein Mangel an Texte für die Herausgeber das Problem dargestellt hat, sondern eine gehaltvolle und den Sinn des Lebens von allen Seiten aufnehmende Auswahl als Aufgabe im Raum stand.

 

Vorweg gesagt ist die Auswahl der Texte ebenso wie die äußere Form und inner Struktur des Buches durchweg gelungen. Keine platten Lebensweisheiten stehen hier im Raum, kein ungeordnetes Nebeneinander von Textschnipseln aller Jahrhunderte, sondern in der Einordnung in 14 Oberthemen (Lebenswille, Selbstlos, Glück, Disziplin, Wundervoll, Widersinnig, Jetzt aber! Und manches mehr) ist den Autoren eine Essenz wesentlicher Bereiche gelungen, in denen Sinnfragen immer wieder in verschiedener Form auftauchen.

 

Die Lyrik des Horaz verweist auf die Gegenwart als einzigen Ort des Seins, da ist ein „Jetzt aber“ immer wieder in den Raum zu stellen gegen die Neigung des Menschen, vieles nach vorne hin aufzuschieben. Einen Impuls, den ein Auszug aus Anne Franks Tagebuch vertieft, indem sie auf die allgegenwärtige Möglichkeit des Genusses der Natur verweis. Und Wittgenstein fasst dies in einem einzigen Satz zusammen. In der Gegenwart leben ist Glück. Glück, da an anderer Stelle des Buches entsprechend weiter vertieft wird. Aristoteles erhält eine Reihe von Seiten zur ausführlichen Darstellung des Glücks aus Sicht des Philosophen, bevor Thomas von Aquin des langen Text in einem kurzen Abschnitt zusammenfasst. Glückseligkeit ist das Ziel des Menschen (sehr zu unterscheiden vom spontanen Glücksgefühl hier und da unserer Tage). Ein Glück angesichts der Vergänglichkeit, welche im Buch in einfühlsamer und ebenso auch klarer Form mit Texten von Freud, Montaigne u.a. benannt wird.

 

Horaz, Aristoteles, Marc Aurel, Novalis, Sigmund Freud, durch die Jahrhunderte haben die Autoren zum jeweiligen Thema einprägsame, mal kurze, mal lange, mal Sentenzen, mal Essays gefunden und in der Form einander zugeordnet, die ein stringentes Lesen ermöglichen.

Selbst der, das Buch abschließende, kurze Text von Monthy Python wirkt hier in keiner Form albern oder reinweg belustigend, sondern schließt das Buch in einer wunderbaren Form dergestalt ab, dass keine tief-intellektuelle Nachdenklichkeit die nächsten Wochen nach dem Lesen bestimmen wird, sondern ein aufatmen und eine eindeutige Klärung und Erdung.

 

In der Form ist das Buch handlich, einfach mit zu nehmen und zu transportieren, jederzeit auf zu schlagen und mit intensiven und zu Grunde führenden Gedanken zu den Themenbereichen des Lebens Für jeden, der gründlicher zu Leben gedenkt, eine wunderbare Handreichung.

 

M.Lehmann-Pape 2010