Patmos 2011
Patmos 2011

Pim van Lommel – Endloses Bewusstsein

 

Das Bewusstsein ist unabhängig von einem funktionierenden Körper

 

In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts hat der Mediziner Raymond Moody Untersuchungen und Interviews mit Menschen veröffentlicht, die sogenannte Nahtoderfahrungen erlebt hatten. Wie auch Piet van Lommel nun nachvollzieht, stehen dort vielfache Berichte von Bewusstseinserfahrungen im Raum. Vom Sehen eines Lichtes oder dem Aufenthalt in einer wundervollen Landschaft ist die Rede.

 

Da zu jenen Zeitpunkten die körperlichen Funktionen gegen Null gingen und auch das Gehirn jener Menschen zu diesen Zeitpunkten in tiefster Bewusstlosigkeit verharrte, sind diese Phänomene einer intensiven Nachfrage wert. Die Erkenntnisse, die Piet van Lommel, selbst Mediziner und seit 1986 bereits auf den Spuren der Nahtoderfahrungen unterwegs, auf seinem Weg der Nachfragen und Nachforschungen gewonnen hat, sind in diesem Buch niedergelegt.

 

Obwohl er sich in Stil und Form durchaus bemüht, verständlich und nachvollziehbar sich auszudrücken, ist dieses Buch doch eher ein wissenschaftliches Fachbuch denn ein populärwissenschaftlicher Bericht. Sehr plastisch und einsichtig beschreibt van Lommel unter anderem das einfache Funktionieren des Körpers und welche Folgen es genau hat, vor allem im Blick auf das Gehirn, den vermuteten Sitz des menschlichen Bewusstseins, wenn lebenswichtige Organe wie das Herz plötzlich ihren Dienst versagen. Wenn er aber in Bereiche der Quantenphysik vordringt, dann wird die Lektüre durchaus anstrengend und braucht einiges an mehrmaligem Lesen, um als Laie zumindest eine Ahnung von den dargestellten Sachverhalten zu erhalten.

 

Im Kern gelingt es ihm allerdings durchaus nachvollziehbar argumentiert und wissenschaftlich  fundiert, seine These zu formulieren und zu stützen, dass das Bewusstsein des Menschen als nicht-lokal vermutet werden kann. Van Lommel nutzt das plastische Beispiel der globalen Kommunikation, die außerhalb der eigenen Person vorhanden ist, in die man sich per PC einklinken oder ausklinken kann, die aber auch bei abgeschaltetem PC weiterhin noch „da draußen“ vorhanden ist. Das Internet wird nicht im eigenen PC „erzeugt“, sondern der PC ist nur eine Schnittstelle zu diesem Informationsfluss. Ähnlich partizipiert das Gehirn an etwas, dass van Lommel „nicht-lokales Bewusstsein“ nennt. Das Gehirn ist damit nicht die Ursache eines Bewusstseins, sondern Wirkung und Folgeerscheinung.

 

Im Rahmen dieser Argumentationskette wird auch der Titel des Buches verständlich mit all seinen Implikationen einer Form des eigenen Bewusstseins auch nach dem physischen Tod. Wieweit rudimentäre, biochemische Vorgänge im eigenen Gehirn eine Grundlage dafür bilden, an diesem nicht-lokalen Bewusstsein teilzunehmen, dass ist dann eine äußerst spannende und sich weiter sich fortziehende Frage. Ebenso stellt van Lommel das materialistische Axiom westlicher Wissenschaft grundlegend in Frage und dies in ebenso wissenschaftlicher Form. Esoterisch Anklänge finden sich in diesem Buch nicht. Mit Folgen für die Wissenschaft, das Gesundheitswesen vor allem im Blick auf Sterbesituationen und auf unser Menschenbild. Denn eines zumindest ist beobachtbar, Menschen , die eine solche Erfahrung erlebten, entfalten eine andere, nicht äußerliche, nicht materialistische Haltung ihrem späteren Leben gegenüber.

 

Ein fundiertes und sachlich argumentiertes Buch als Quintessenz fast 25jähriger Forschung und Beschäftigung mit dem Thema, dass tatsächlich vielfach neue Erkenntnisse und Zusammenhänge in den Raum zu stellen vermag.

 

M.Lehmann-Pape 2011

Pim van Lommel

 

geboren 1943, war als Kardiologe in leitender Position im Rijnstate Krankenhaus in Arnheim tätig. Seit 1986 untersucht er Nahtoderfahrungen aus wissenschaftlicher Sicht und ist Mitbegründer der niederländischen Sektion der International Association for Near-Death Studies.

 

(Quelle: Patmos Verlag)