wbv 2013
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Ralf Lottmann – Bildung im Alter– für alle?

 

Zum Status quo und Ausblick der nachberuflichen Bildung

 

Im breiten und großen Feld der Erwachsenenbildung nimmt in den letzten Jahren die „nachberufliche Bildung“ durchaus einen wachsenden Raum ein und geht dabei über das seit längerem gewohnte Bild der „Alterstudenten“ hinaus.

Bildung hört nicht mit dem Eintritt in das Rentenalter auf, soweit ist die Sachlage zu konstatieren. Auch eine Folge der starken, demographischen Veränderungen natürlich, in der das Alter sich über immer weitere Zeiträume erstreckt, dabei überwiegend Gesundheit und eine gewisse Leistungsfähigkeit und –Willigkeit erhalten bleibt und Bildung einen ganz eigenen Wert für dieses Lebensalter (für bestimmte soziale Gruppen) erhält.

 

Einhergehend damit wird Alter zunehmend, sozial und politisch, als „gesellschaftliche Herausforderung“ wahrgenommen. Eine Herausforderung, die Lottmann präzisiert und in Bezug setzt auf die Bedeutung der Bildung im Alter. Ebenso, wie er die empirischen Grundlagen seiner Studie differenziert benennt und konkrete Bildungsangebote in Deutschland vor Augen führt. Aus Interviews mit Experten aus der Altersbildung unterfüttert Lottmann seine theoretischen Ergebnisse mit empirischen Daten und legt seine Folgerungen für die gesellschaftlichen Altersbilder, die Ziele und Strukturen der Altenbildung dar.

 

Wer sich nun warum und wohin bilden lassen möchte, welche Angebote vorhanden sind und wie diese sich strukturieren, das ist einer der Schwerpunkte dieser Studie. Im Vorgehen setzt Lottmann zum einen eine Untersuchung der „gesellschaftlichen Situation“ älterer Menschen unter dem besonderen Gesichtspunkt der Altersbildung im Buch in Relation zu vorliegenden, empirischen Daten aus den USA zur „nachberuflichen Bildung“. Mit dem klaren Ergebnis zunächst, dass nur ganz bestimmte soziale Gruppen an solchen Angeboten teilhaben, somit wahrscheinlich nur bestimmte, soziale Gruppen eine intrensische Motivation zu einem „lebenslangen“ Lernen in sicht tragen. Indem Lottmann die Auswirkungen seiner Ergebnisse ebenfalls zum Gegenstand der Untersuchung macht, stellt sich im Buch durchaus auch die politische Dimension des Befundes dar.

 

„Altersbilder werden (politisch) instrumentalisiert“.

 

Zum einen also leistet Lottmann eine differenzierte „Rekonstruktion von Alterbildern“, zeigt auf, wie diese entstehen, in dynamischen Veränderungsprozessen stehen, positive  und (meist aber) auch negative Altersbilder der Gesellschaft verändern (oder auch nicht).

Zum anderen bietet die Studie vielfache Ansatzpunkte für den Bereich der Erwachsenenbildung im Alter, eine differenzierte und „zielgruppenangemessene“ Gestaltung von Angeboten zu entwickeln und auf den Weg zu bringen.

 

Durchaus ernüchternd sind die Ergebnisse, die Lottmann letztendlich nachweist und vorlegt. Seit Cicero („Das Alter wird nur dann respektiert werden, wenn es ums eine Rechte kämpft“) hat sich an der eher negativen gesellschaftlichen Sicht und Bewertung auf das Alter wenig grundlegendes geändert. Dennoch aber, vor allem auf Grund des demographischen Wandels und der aktiven Teilnahme, auch der klaren Forderung nach Teilnahme durch die Gruppe der Älteren und Alten, entsteht eine zunehmende Dynamik in diesen Altersbildern und der Gesellschaftlichen Realität. Eine Dynamik, die sich auch auf das Feld der nachberuflichen Bildung auswirkt und von diesem Feld aktiv genutzt werden sollte.

 

Eine Nutzung, die von den zur Zeit Verantwortlichen eher „verhalten“ bewertet und betrieben wird. Eher „Sicherstellung eines Angebotes“ steht zur Zeit noch im Fokus als eine aktive und nachhaltige Bewerbung der Angebote. Ein wichtiges Element aber gerade in einer gesellschaftlichen Umbruchphase, in der die Weitergabe von Erfahrung und Wissen durch das Alter gerade im Anblick der „Wissensdatenbank“ Internet rapide an (gefühlter) gesellschaftlicher Bedeutung verliert. Auch darauf weist Lottmann zu Recht hin.

 

Insgesamt eine sehr gründliche, erhellende und fundiert ausgewertete Studie zu einem der grundlegendsten demographischen Veränderungsprozesse, der als allgemein gesellschaftliche, soziale und politische Herausforderung auch und gerade für den Bereich der Erwachsenenbildung im Raume steht.

 

M.Lehmann-Pape 2013