Kiepenheuer & Witsch 2017
Kiepenheuer & Witsch 2017

Ranga Yogeshwar – Nächste Ausfahrt Zukunft

 

Am Ende ein optimistischer Blick in die Zukunft

 

Das inzwischen mehr und mehr Literatur zum „Blick in die Zukunft“ erscheint, wissenschaftliche Erkenntnisse „nach vorne“ gedacht werden, Lösungen für zunehmende gesellschaftliche Problematiken der Gegenwart überlegt und geprüft werden und eine Mischung aus Sorge und Aufbruchstimmung weltweit die Gegenwart begleitet, all das hat seine gewichtigen und tiefen Gründe.

 

Denn tatsächlich ist die Gegenwart eine Zeit der „Welt im Wandel“, wie sie immer wieder, aber im Gesamten eher selten, im Lauf der Geschichte auftauchte (man denke nur an die industrielle Revolution und ihren rasanten Einfluss auf weitgehend sämtliche bis dato geltenden Traditionen und Verfasstheiten des sozialen Lebens).

 

Wobei, und das ist am Ende die Erkenntnis, die Yogeshwar durch alle seine verschiedenen Themen im Buch hindurch dem Leser vermittelt, im Gegensatz zu anderen „Umbruchzeiten“ der Geschichte ist der Großteil der Menschen nicht mehr zur Ohnmacht gegenüber den „da oben“ getroffenen Grundlagenentscheidungen verdammt. Sondern im Rahmen der weltweiten Kommunikations- und Informationskanäle und der möglichen Zusammenschlüsse durch diese, können mehr und mehr Menschen direkten Einfluss auf die Gestaltung der „Welt von Morgen“ nehmen.

 

Wobei dies eine positive Folge der Digitalisierung und Globalisierung darstellt, aber noch lange kein Selbstläufer ist. Auch heutzutage wollen Ideen und Rechte, Einfluss und ein „sich verwehren“ mutig angegangen und auch erstritten werden. Somit steht es nur dann „gut um die Zukunft“, wenn möglichst viele auch bereit sind, aktiv diese zu gestalten. Was aus heutiger Sicht noch nicht unbedingt prognostiziert werden kann, gerade angesichts des sich ballenden Einflusses in wenigen Händen, wie sich ja auch die Kapitalkraft mehr und mehr auf eher wenige zu konzentrieren scheint.

 

So schreitet Yogeshwa mit offenem Blick und durchaus optimistischer Haltung die großen Bereiche der Zeit ab. Das Neue in Form der Digitalisierung und die „Gegenkräfte“ die in der Natur des Menschen liegen, sich meistens an Bewährtes halten zu wollen. Und damit auch im negativen Sinne der Gestaltung der Zukunft teilweise „im Weg stehen“, auch wenn ein solides Fundament an traditioneller Werten und Ideen sicherlich nicht in Bausch und Bogen zu verdammen ist.

 

Doch es ist interessant, wenn Yogeshwa den Leser für einen Moment hineinversetzt in Menschen, Haltungen und Lebensweisen des 19. Jahrhunderts und von daher verdeutlicht, wie tiefgehend sich die Welt gewandelt hat. Dies nach vorne zu prognostizieren und sich zu fragen, wie denn in hundert Jahren gelebt und gearbeitet wird, ist geradezu spannend und öffnet auch durch die sehr verständliche Sprache des Autors den Blick überaus.

 

Ob es „Grenzen des Wissens“ überhaupt gibt, wie „Irrwege“ (die Atomkraft als „sichere Bank“) korrigiert wurden und noch deutlich klarer korrigiert werden sollten sind dabei e ebenso entscheidende Themen, wie die Folgen von Migration und globalisiertem Zusammenwachsen der Gesellschaften. Dies und viele andere wichtige Themen bearbeitet Yogeshwa sehr pragmatisch, an vielen Beispielen und damit verständlich und nachvollziehbar, bis er zum Ende des Buches hin klar und als logische Folge seiner Einlassungen postuliert, dass aktuelles „Handeln“ beide Impulse benötigt. Stabilität (aus der Verfasstheit der Welt und Gesellschaften heraus) und den Mut zum Wandel. Vor allem, wenn man, wieder einmal und immer wieder wichtig, betont, dass der Menschheit (zur Zeit) nur dieser eine Planeten als Lebensraum zur Verfügung steht.

 

Ein Buch, dass vielfache Themen der Zeit grundlegend aufnimmt, dabei durchaus in die Tiefe der Themen geht, das am Ende die Angst vor dem Wandel zurückfahren hilft und einen offenen, differenzierten, am Ende aber mutigen Blick in die Möglichkeiten der Gestaltung der Zukunft wirft.

 

 

M.Lehmann-Pape 2017