Droemer 2010
Droemer 2010

Rhonda Byrne – The Power

 

Positiv Denken auf amerikanisch

 

Nach dem millionenfach verkauften „The Secret“ legt Rhonda Byrne nun das Nachfolgebuch „The Power“ als Ergänzung und Vertiefung einerseits, aber auch verständlich konzipiert ohne Secret zu kennen, vor.

 

Die „Macht der Anziehung“ wird in „The Power“ gefasst und, in typisch amerikanischer Rhetorik, von vielen Seiten her mit Beispielen versehen und durch neue Gedankenansätze beleuchtet, die all zum Kern der Sache verweisen: Die Macht des Lebens ist die Liebe.

 

Liebe allerdings nicht verstanden als Gefühl einem konkreten Menschen gegenüber, sondern als eine Art Naturgesetz, ähnlich der physikalischen Kraft des Magnetismus. Das, was man in entsprechender, innerer Haltung gibt, erhält man vom Leben zurück. Gibt man Negatives und/oder hat negative Gedanken, wird einen das verfolgen, geht man an die Dinge und die Menschen mit Wärme und Liebe heran, wird einem das Leben diese Wärme und Liebe in potenzierter Form zurückgeben. Sei es in Beziehungen, in persönlichen Wünschen, sei es in Bezug auf Geld, immer besteht die Kunst darin, sich in einem Zustand positiver Wertschätzung allem gegenüber zu bewegen, damit die Liebe wirken kann. Den entscheidenden Punkt sieht Byrne dabei bei 51%. Wer über die Hälfte seiner Gedanken und Handlungen im liebevoll gebenden Bereich anzusiedeln vermag, der wird die wunderbaren Seiten des Lebens bald genießen können.

 

Da Liebe als universale Kraft unendlich ist, sind auch die Möglichkeiten der Liebe unendlich. Hier geht es zudem nicht um Kampf oder Anstrengung, sondern um das Erreichen eines möglichst breiten Zustandes der Hingabe. Wie man diesen erreicht, hierzu bietet Rhonda Byrne in typisch amerikanischer, oft übersteigert wirkender,  Begeisterung viele Hinweise, Ratschläge und praktische Anregungen.

Sprachlich eher simpel, vor allem aber flüssig geschrieben, ist es schon einmal positiv anzumerken, dass eindeutig zu verstehen ist, was Byrne meint und worauf sie hinauswill. Die nach jeder ausführlichen Erläuterung eingeschobenen und farblich abgesetzten Zusammenfassungen erleichtern die Arbeit mit dem Buch zudem ungemein.

 

Byrne bewegt sich in der Tradition verschiedener esoterischer Bewegung.  Vor allem die „Neugeistbewegung“ mit ihren Schriften wird oft zitiert, ebenso finden sich im System der Aneignung der Liebe starke Anklänge an das „positive Denken“ (dass in Reinkultur allerdings im Lauf der Jahre eine ganze Reihe von Menschen mit massiven psychischen Problemen zurückgelassen hat) und ebenso greift Byrnes in der Methode auf die esoterische Technik des „Visualisierens“ zurück. All dies verbindet sie zu einem „Lernplan Liebe“ mit dem Ziel eines wunderbaren, erfolgreichen und wunscherfüllenden Lebens.

 

Wie bei allen Systemen, die auf eher unsichtbare und damit nicht greifbare Kräfte zurückgreifen, ist der Erfolg oder Misserfolg des Ansatzes von Byrne rundweg eine Glaubenssache. Das Ziel einer wertschätzenden und konstruktiven Haltung dem Leben und den Menschen gegenüber lohnt das Lesen des Buches allerdings allemal.

 

Kritisch hingewiesen sei dennoch auf manche offenkundige Widersprüche.

Wenn für jeden alles, was er sich wünscht, bereit liegt, Ressourcen allerdings grundlegend beschränkt sind, sei es Geld oder bestimmte Menschen (was passiert, wenn 5-7 Männer die gleiche Frau heißbegehren und jeder doch alles ohne Anstrengung erhält?), dann kann das gedanklich zumindest nicht ganz so einfach funktionieren, wie Byrne es teilweise schildert. Zudem erscheint die Erklärung, bei Nichterhalten einfach zu wenig geliebt zu haben oder mit einem bösen Gedanken alles zunichte gemacht zu haben, doch ein wenig zu einfach erläutert.

 

Dennoch ist ihr Thema eines, das Menschen seitdem es Menschen gibt bewegt. Die Kraft der Liebe hat Einzug gefunden in jede Weltreligion, und das, was herauskommen würde, würde man Byrnes Gedanken rundweg folgen, nämlich allgemeiner Respekt und eine liebevolle Haltung, ist ganz bestimmt nicht schädlich.

 

Ob das eigene Leben auf eine solch einfache Weise und in den dargestellten rein dualistischen Polen von positiv oder negativ verläuft, das mag dahingestellt bleiben und muss dann von jedem, der sich darauf einlassen möchte, erprobt werden. An klarer Erläuterung zumindest fehlt es im Buch nicht und damit auch nicht an der Möglichkeit, die vorgestellte Grundhaltung durchaus auch ablehnen zu können.

 

M, Lehmann-Pape 2010