Ullstein 2012
Ullstein 2012

Richard Dawkins – Der Zauber der Wirklichkeit

 

Eine Reise durch die „natur der Schöpfung“

 

Vorweg bemerkt ist dieses Buch rein oberflächlich betrachtet bereits wunderbar gestaltet. Sei es das Titelbild, das auf der linken Seiten den „Bund Gottes“ mit dem „Bundeszeichen des Regenbogens“ in ein aufgeschlagenes Buch hinein gibt ( als Hinweis auf die frühzeitlichen Erklärungsversuche der Menschen, deren mythische und symbolische Deutung der Natur und Wirklichkeit), während, wie durch das Buch „die „Erkenntnis“ eben) auf der anderen Seite Elementarteile, Strings, Atome „herausfliegen“.

 

Was ist die „Natur der Sache“? Was ist die feststellbare Wirklichkeit, was sind die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse und Zusammenhänge hinter „Wundern“, hinter den „schlimmen Dingen“ in der Welt. Wann und wie hat alles angefangen, wer war eigentlich der „erste Mensch“. Und was genau ist eigentlich ein Regenbogen, die Sonne, woraus bestehen die Dinge?

 

Und schon aus der Aufmachung und den Themen, der Schrifttypen, der farbigen Unterteilung ergibt sich, zusammen mit den überaus gelungenen Illustrationen von Dave Mckean auch die Zielgruppe dieses Buches. Jüngere Heranwachsende bis hin zum jugendlichen Alters hat Dawkins im Blick. Wobei er das Wort „Zauber“ im poetischen Sinne benutzt und dies auch klarstellt. Denn eher „entzaubert“ Dawkins natürlich den ein oder anderen Mythos von Schöpfung, Weltgeschehen und Menschwerdung, rückt an die Stelle der alten Mythen allerdings tatsächlich den „Zauber“ der Wirklichkeit, in dem er die Schönheit der Dinge, vor allem die „Schönheit der Ordnung der Dinge“ immer wieder in den Vordergrund rückt.

 

Dawkins vermeidet dabei in guter Weise eine zu starke „sprachliche Regression“. Obwohl er sich deutlich plastischer und einfacher ausdrückt als in vielen seiner anderen  Bücher (und deutlich weniger polemisiert auch), formuliert er bei weitem nicht in einer „Kindersprache“, sondern durchaus sachgerecht. Durchaus also bedarf es eines konzentrierten Lesens für das im Blick stehende Alter der Zielgruppe, ohne diese Zielgruppe zu überfordern. Auch sprachlich ist das Buch somit gut angelegt. In fast entspanntem „Plauderton“, erwachsen bleibend, führt Dawkins in diesem Buch in die grundlegenden Erkenntnisse der Evolutionstheorie ein und lässt seinen Text und die vielfachen Illustrationen hierbei in bester Weise kooperieren. Vom „geknickten Lichtstrahl“ bis zur Bilderfolge über „Erbeben“, von der fast lehrbuchartig anmutenden Erläuterung und Darstellung der Atome und Moleküle bis hin zur fast „magischen“ Darstellung über die „Lebensgeschichte eines Sterns“, mit  der Wesen, Geschichte und Funktion der Sonne plastisch in den Raum treten.

 

Alles in allem ist „Der Zauber der Wirklichkeit“ ein sehr gelungenes, im Stil zurückhaltendes und fundiert „Was die Welt ist“ und vor allem, wie sie geworden ist, beschreibendes und darstellendes Buch, das hoch lehrreich ist, dabei aber bestens verständlich bleibt.

 

M.Lehmann-Pape 2012