oekom 2011
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Rico Defila, Antonietta Di Gulio, Ruth Kaufmann (Hrsg.) – Wesen und Wege nachhaltigen Konsums

 

Wissenschaftliche Betrachtung der Lücke zwischen Wissen und Umsetzung

 

Schon fast 20 Jahre alt ist die Erkenntnis (und Forderung) der Konferenz von Rio, „dass die westlichen Industriestaaten Konsum- und Produktionsmuster entwickeln müssten, die mit der Idee einer Nachhaltigen Entwicklung vereinbar sind“.

 

Kaum ein Staat ist dieser Forderung wirklich nachgekommen, nur wenige zeigen Ansätze in diese Richtung. Dennoch, einiges hat sich durchaus getan auf dem Feld der Möglichkeiten nachhaltiger Fertigungen und Entwicklungen, was dennoch nicht zu einem maßgeblichen Rückgang der Umweltbelastungen in der Breite geführt hat. Nicht nur ein industrielles oder staatliches Umdenken wäre zudem gefordert, das Konsumverhalten jedes einzelnen Erdenbürgers müsste einer Wandlung hin zu nachhaltigen Denken folgen.

 

Es gibt dieses „Auseinanderklaffen“ zwischen Wissen und Handeln. An der Frage, warum „Betroffenheit im Alltagshandeln folgenlos bleibt“ setzt auch dieses Buch daher folgerichtig einen großen Schwerpunkt und bietet fundiert und, teils durchaus auch kleinteilig, Erkenntnisse und mögliche Instrumente an, die bis in individuelle Entscheidungen hinunter (Stromverbrauch, Bau eines Hauses, der tägliche Einkauf und vieles mehr) Angebote untersucht, diese Diskrepanz zwischen Erkenntnis und Umsetzung zu verringern.

 

In zwei großen Hauptteilen legen die Herausgeber hierbei die einzelnen Einlassungen an. Im ersten Teil werden in wissenschaftlicher Betrachtung Begriffe erläutert, Beurteilungsmaßstäbe erhoben, die Methoden der Forschung zum nachhaltigen Konsum dargestellt sowie theoretische Perspektiven auf ein Konsumverhalten hin thematisiert. Für den wissenschaftlichen Diskurs ist dieser Teil sicherlich wichtig, für den allgemein interessierten Leser ist dieser Einstieg in die aktuelle Situationsdarstellung allerdings zu theorielastig.

 

So ist zu raten, das Buch zunächst mit ausgewählten Kapiteln des zweiten, ebenfalls anspruchsvoll zu lesenden, aber weitaus griffigeren und praktischern Teils zu beginnen. Interessante Blick bieten die verschiedenen Autoren hier auf „Lebensmöglichkeiten an“.

Wie z.B. (allgemeine) „Umbruchsituationen“ im Leben durchaus auch zu einer Veränderung der alltäglichen Lebensführung im Sinne der Nachhaltigkeit genutzt werden können. Oder auch, wie sich neue Akteure am Markt, speziell über Online Vertriebe, im Sinne nachhaltiger Produkte positionieren können. Das klug gewählte Beispiel Ebay zeigt auf, das der Weg zu einem persönlichen Umdenken kein massiv beschwerlicher sein muss. Das auch auf politischer Ebene eine Vielfalt von Möglichkeiten noch ausbaufähig oder gar erst zu entwickeln wäre zeigt der gelungen dargelegte Themenbereich von „Design und Wirksamkeit gesellschaftlicher Steuerung“ im Sinne energetisch wirksamer Veränderungen an Häusern, Feeedbackinstrumenten zum Stromverbrauch bis hin zur Entfaltung sinnvoller  Prämienprogramme.

 

Ein im ersten Teil nicht einfach zu erarbeitendes Buch, welches im zweiten Teil nachvollziehbar praktische Untersuchungen und Anregungen mit auf den Weg zu geben vermag. Gangbare und bedenkenswerte Möglichkeiten werden zumindest eindeutig aufgezeigt und ebenfalls wird nachgewiesen, dass die Hürden für das persönliche Leben nicht unermesslich hoch liegen. Insgesamt eine durchaus empfehlenswerte Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2012