C.Bertelsmann 2016
C.Bertelsmann 2016

Rolf Rietzler – Mensch, Adolf

 

Assoziativ und fachkritisch

 

Man kann der vielfältigen medialen Arbeit von Guido Knopp kritisch oder bewundernd gegenüberstehen, das ist keine Frage.

 

Wie dann im Übrigen jeder anderen mehr oder minder fundierten Auseinandersetzung mit der Person Hitlers.

 

Rolf Rietzler zumindest lässt keinen Zweifel daran, dass er den größten Teil jener, die sich mit Hitler als Person beschäftigt haben, als Luftnummern betrachtet.

 

„Bereitwillig glaubt Graf Krockow an dieses…..Tatkraft simulierende Palaver“.

 

Während Koch-Hillebrecht in seinem „Homo Hitler“ als „Seelendetektiv, Hänsel und Gretel in einer Person“ hinter „selbstgelegten“ Spuren her irrt, die ihn in das „Pfefferkuchenhaus der Führerlegende“ dann führen.

Während Lothar Machtan von Rietzler attestiert wird, dass sein Werk ein „Paukenschlag ins Wasser“ gewesen ist. „Hose au und alle Fragen offen“.

 

Und dies in einer rezeptiven Betrachtung vordergründig gar nicht der Werke an sich der genannten, sondern in einer sehr assoziativen Aneinanderreihung von „Bildbetrachtungen“ der jeweiligen Cover der zu Zeiten erschienen Bücher, bei denen der Leser sich durchaus fragt, was denn nun der eigentliche Gewinn dieser Bildbeschreibungen durch Rietzler am Ende ist. Sollten diese Betrachtungen nicht nur als Stichwortgeber für die legeren, lockeren, ironischen und konsequenten Abwertungen der jeweiligen Autoren gemeint gewesen sein.

 

Weitgehend eben „Bewohner historischer Wunschbilderwelten“, wie Rietzler konstatiert, allen voran Guido Knopp, die beredt Zeugnis davon ablegen, dass Hitler einerseits „nicht gewollt wird“, andererseits immer wieder auch hinter jedem Ofen hervorgezerrt wird (lesenswert ist das Kapitel über die Rezeption Hitlers in und durch die Bildzeitung), weil sich mit der „Marke Hitler“ auch sehr fantasievoll (man siehe die „rote Armbinde“) Geld verdienen und Aufmerksamkeit erregen lässt.

 

Nicht nur im Rahmen des „Hokuspokus aus der Knopp-Fabrik“ im „Treibhaus der Weichzeichner“.

 

Es ist dieser durchgängige, abwertende Tonfall, der immer wieder den Kern der Darstellung im Buch zu kennzeichnen scheint und auf Dauer die Lektüre erschwert und mit Unlust versieht. Fehlende Fußnoten und ein ebenso fehlendes Literaturverzeichnis erwecken den Eindruck, dass Rietzler „es“ sich hier eher assoziativ „von der Seele“ geschrieben hat, seine kritische Betrachtung der vielfachen „Benutzung“ Hitlers als Instrument zur medialen Selbstdarstellung mit finanziellen Interessen.

 

Wobei er dabei durchaus sehr breit vorgeht und zu Recht darauf verweist, dass in der vielfachen, immer wieder sensationell beworbenen Neuauflage von Darstellungen bestimmter „Hitler-Seiten“ sich ein perpetuum mobile gebildet hat, aus dessen Kreisen nur schwer ein „hinter sich lassen“ möglich ist.

 

„Offensichtlich kann die geistigen Exkremente des untoten Hitler nichts vertreiben“.

Insgesamt hinterlässt das Werk somit einen sehr zwiespältige Eindruck. Deftig in der Sprache, ironisch-zynisch in der Bewertung so ziemlich aller bekannter Hitler „Verwerter“, mit wenig hinterlegten und über die mäandernden Assoziationen Rietzlers hinaus reichenden Quellenangaben einerseits, mit einer Reihe detaillierter Betrachtungen und Offenlegung von „Legenden zum Selbstzweck“ und einer ständig sich erneuernden Rezeption Hitlers eben auch aus ganz egozentrischen Gründen heraus andererseits (und darin lesenswert).

 

 

 

M.Lehmann-Pape 2016