Riemann 2013
Riemann 2013

Salman Khan – Die Khan Academy

 

Lernen im 21. Jahrhundert?

 

Die grundlegende Idee Salman Khans war und ist es, zur Vermittlung von Lerninhalten das „Klassenzimmer“ zu verlegen. Aus einem physischen Raum mit vier Wänden heraus in ein „Online Klassenzimmer“ hinein.

 

Nach Themengebieten geordnet und didaktisch aufbereitet finde sich seine Academy im Internet in Form von Video-Vorlesungen. Vorlesungen und Lerneinheiten, die fachspezifisch aufeinander abgestimmt und aufgebaut sind mit der zweiten Unterschiedenheit zu „normalem“ Unterricht in Klassenzimmer oder Hörsaal, dass der „Lernende“ die Geschwindigkeit und Intensität des Lernens vorgibt und sich so lange mit den einzelnen Abschnitten zu Themen beschäftigt, bis er diesen Inhalt für sich verstanden hat und weiter zu gehen gedenkt.

 

Im Gesamten seines Denkens erweitert Khan aus seiner Sicht der Dinge her nicht nur den bisherigen und traditionellen Lehrbetrieb, er sieht sein Angebot nicht nur als Ergänzung, sondern wendet sich im Buch durchaus rigoros eigentlich gegen eine Fortführung traditionellen Lernens, die in seinen Augen nur „künstlich“ am Leben gehalten wird. Zeitgemäß ist diese klassische Form der Vermittlung und Rezeption von Lerninhalten in keiner Weise mehr („Das unbrauchbar gewordene Modell“), sondern eben seine „Videoacademy“ (die er in der „realen Welt“ im Buch durchaus verankert und deren besonderen Vorteil er unter dem Stichwort „Die globale Dorfschule“ herausarbeitet. Die Verfügbarkeit seiner Lehreinheiten an jedem Ort der Welt).

 

Zumindest eines kann man bei der Lektüre unumwunden feststellen, Khan versteht didaktisch und in der Form durchaus hervorragend, Inhalte zu vermitteln. Eine Vielzahl von praktischen Beispielen, Geschichten führen den Leser auch emotional in Situationen, in denen sodann Khans Argumentation und Haltung relativ leicht nachvollzogen und aufgenommen werden kann. Ebenso eindeutig und klar vermittelt Khan die Methode und Form seiner Academy.

 

Ideologisch oder dogmatisch verhärtet zeigt sich Khan dabei nicht. Er beharrt nicht alleine und ausschließlich darauf, dass allein durch seine Lernplattform Kinder und andere Lernende zu unterrichten sind, wohl aber darauf, dass die Grundlagen des zu Lernenden am besten auf diesem Wege zu vermitteln sind.

 

„..... das es nie meien Vision war, dass die gesamte schulische Ausbildung eines Kindes nur aus Video-Lektionen und Aufgabenlösen am Computer bestehen soll. Meine Hoffnung war, die Schulbildjung effizienter zu machen“ und damit Schülern die Gelegenheit zu geben, in der „ersparten“ Zeit „produktiven Spaß“ zu suchen und zu finden in anderen Formen des Lernens, in Erprobungen des Gelernten in der Praxis.

 

Statt also seine Methode des Lernens durch Videos im Internet als Ergänzung zur klassischen Lehrvermittlung zu sehen, dreht Khan „den Spieß“ um und lässt die bisherige Form des Klassenunterrichtes nur mehr als Ergänzung seiner Methode bestehen. Was durchaus kritisch anzufragen wäre. Vor allem in Bezug auf die Beziehungsarbeit, die Schule, Lehrer und Ausbilder jeder Form vorrangig auch leisten, in Bezug auch auf die Inhalte der Lehrvideos, die alleine von Khan und seinem Projekt selbst verantwortet und Online gestellt werden (vgl. Wikipedia).

 

Alles in allem eine profunde und gute Darstellung der „Khan Academy“. Ein Modell allerdings, das doch eine ganze Reihe kritischer Nachfragen nach sich zieht, auf die Khan im Buch keine sollständig überzeugenden Antworten gibt. Das Buch ist allerdings ein Gewinn zunächst für jeden, der das System der „Kahn-Academy“ genau verstehen möchte.

 

M.Lehmann-Pape 2013