Klett-Cotta 2013
Klett-Cotta 2013

Sebastian Marincold – High

 

Über die positiven Eigenschaften von Cannabis

 

Aus seiner Zielrichtung und Haltung macht dieses Buch von Beginn an keinen Hehl.

 

Als eine „Cannabinphobie“ irrtümlicher Prägung, als „Hysterie“ bezeichnet Lester Grinspoon, emeritierter Professor für Psychologie, im Vorwort die weit verbreitete, staatliche Haltung zu Cannabis als Droge und damit als verbotswürdige Substanz.

 

Ganz in diesem Sinne rekurriert das Buch im weiteren Verlauf auf neueste Erkenntnisse der Erforschung der Pflanze und deren Wirkung und stellt durchgehend die positiven, heilenden, konstruktiven Möglichkeiten des Einsatzes und der Wirkung heraus. Wobei hier vor allem die pharmazeutische Argumentation ins Auge fällt.

Nicht als „Freizeitdroge“ wird in erster Linie Cannabis und eine Freigabe desselben propagiert (wenn auch dies im Buch mitschwingt), sondern der medizinische Nutzen wird betont und ebenso, natürlich , der Nutzen für das „private“ Leben im Sinne einer Hilfe zur Entwicklung der Persönlichkeit.

 

Insgesamt kann man all diese Möglichkeiten des „guten“ Gebrauchs von Cannabis, wie im Buch, unter „Enhancement“ einordnen. Eine „Verbesserung und Bereicherung“, die sich auf eine „Vielzahl menschlicher Fähigkeiten“ bezieht. Von kulinarischen über sexuellen bis hin zu spirituellen, positiven Effekten weiß dann im Folgenden dieses Buch in durchaus unterhaltsamen und lockeren Stil zu berichten.

 

So auch im sicherlich wichtigen Kapitel über die „Suchtgefahren“, in dem Marincold zunächst in humorvoller und dennoch treffender Weise so manchen „Kick“ der Moderne zielsicher benennt, der durchaus relevante, negative gesundheitliche Folgen nach sich zieht und keinesfalls verboten ist. „Workaholics“ zum Beispiel. Oder „Kaufsucht“. Von Alkohol und Schlafmitteln und vielem mehr ganz zu schweigen. Auch die neu eingeführte Gruppe der „Virtuaholiker“ ist nicht von der Hand zu weisen. All dies als Vorbereitung darauf, dass Cannabis nicht nur „nicht so schlimm ist wie andere Süchte“, sondern, im Gegenteil, deutlich positivere Effekte nach sich zieht bei geringen Risiken.

 

„Mariuhanna macht weniger abhängig und ist weniger toxisch“ als Zigaretten und Alkohol, dennoch birgt es Gefahren psychischer Abhängigkeit. Dies leugnet Marincold nicht, erweckt aber schon durchgehend den Eindruck, hier doch recht schnell drüber hinweg zu gehen und unter all den „positiven Eigenschaften“ die „paar Risiken“ eher nicht erwähnenswert zu finden. Das klingt doch auch in Teilen schöngeredet und sollte kritisch und differenziert vom Leser betrachtet werden.

 

Dennoch bietet Marincold in seinen oft treffenden und im Stil flüssig dargerbrachten Ansichten und Einsichten Stoff zum Nachdenken über eine einerseits harte Vorgehensweise auch gegen den Besitz und Konsum einer solch „weichen Droge“ wie Marihuana und andererseits über die negativen Folgen der „Prohibition“ und die durchaus feststellbaren positiven Effekte des Gewächses. Ein wenig undifferenziert und einseitig, aber durchaus gut für eine entspannte Haltung in der Diskussion um eine mögliche Freigabe von Cannabis in geringem, privaten Umfang.

 

Noch zu erwähnen ist die sehr schöne Illustrierung und Gestaltung des Buches .

 

M.Lehmann-Pape 2013