Pantheon 2016
Pantheon 2016

Stephanie Grimm – Schlaft doch, wie ihr wollt

 

Ein Plädoyer für eine entspannte und entspannende Haltung

 

Millionen von Menschen in Deutschland schlafen nicht sonderlich gut. Und das in vielfacher Ausprägung. Von völlig „schlaflos durch die Nacht“ bis hin zu „leichteren“ Störungen der Nachtruhe.

 

Ein Udo Lindenberg hat seinen Rhythmus beispielsweise völlig „auf den Kopf“ gestellt, lebt nachts und schläft tagsüber. Wobei auch Udo Jürgens oft davon sprach, spät den Schlaf zu finden und bis mittags mindestens kein Auge aufzutun.

 

Da nun aber zum einen die Welt den „Tagrhythmus“ favorisiert was Arbeit, Öffnungszeiten und allgemeine Termine angeht, sich nicht jeder so aus der alltäglichen Zeiteinteilung zu ziehen vermag, wie wirtschaftlich völlig unabhängige Menschen (oder „Dauer-Nachtschichtler“) und zudem bei chronischen Schlafstörungen auch noch egal ist, zu welcher Tages- oder Nachtzeit man eben „keinen Schlaf“ findet, ist das Problem mit dem Schlaf nicht einfach zu lösen.

 

Und von all den Problemen oder ungewöhnlichen Rhythmen ganz abgesehen, der Schlaf an sich hat ja einen ganz eigenen Stellenwert, nicht nur, wenn er gerade Probleme bereitet.

 

Regeneration, Verarbeitung seelischer Vorgänge und äußerer Erlebnisse, sich ganz sich selbst gehören, auch das sind Momente, die zum Schlaf untrennbar hinzugehören und im alltäglichen Bewusstsein kaum eine wirkliche Rolle spielen.

 

Alle diese Bereiche nimmt Grimm in ihrem sehr verständlichen und sehr fundierten Buch auf. Betrachtet die „Always on Welt“ als Mitverursacher für die Störung des Schlafes und den, in manchen Kreisen, fast „schlechten Ruf“, den der Schlaf hat (wer wichtig und leistungsorientiert ist, der ist allzeit bereit, der nutzt jede Sekunde und gönnt dem Schlaf nur das, was unbedingt nötig ist an Zeit). Dabei gilt dennoch, und Grimm führt dies im ganzen Buch immer wieder aus, das Schlaf ein (wichtiger) Teil des Lebens ist, dass es nicht nur um Notwendigkeit, sondern auch um ein aktives Erleben geht, dass der Mensch zwar meint, diesen nur passiv zu erleben, dass dennoch ganz andere Aktivitäten in Seele und Körper freisetzt, als man gemeinhin „nur“ meint.

 

Wie Träume biologisch funktionieren, was sie „austragen“, dem wendet sich Grimm dabei ebenso zu wie der Biochemie des Körpers, der eben nicht genau passenden (asynchronen) Verbindung von Arbeitswelt und Schlaf oder auch einem „Schlaf auf dem Campingplatz“.

 

Dass die „Welt des Schlafes“ bunt ist und dass vor allem gilt, dass „wir schlafen so vielseitig, wie wir wachen“, all das liest sich flüssig und, vor allem, hochinteressant.

 

Zwar sind viele der Inhalte beim Lesen nicht unbekannt, aber doch „aus dem Kopf“ viel zu oft, was das alltägliche Leben angeht. Gut, dass Grimm mit diesem Buch fast alles sammelt, was zum Schlaf zu sagen wäre und ein „Loblied“ auf den Schlaf hinterlässt, das beeindruckt.

 

„Der Schlaf lässt aus dem Chaos von Eindrücken…….die Gefühle und Gedanken werden, auf die wir später zurückgreifen.

 

Für den Bereich leichter bis massiver Schlafprobleme bietet das Buch auf der anderen Seite Impulse für die Suche nach Hilfe an, klar verbleibt aber, dass medizinische Probleme in der Regel nicht durch ein Buch gelöst werden könnten (sondern mit einem Arzt). Dennoch entlastet Grimm durch ihre vielen Verweise auf den un-entspannten Umgang mit dem Schlaf auch in dieser Hinsicht zumindest ein stückweit, dem Schlaf vielleicht unbefangener begegnen zu können, gerade wenn man Schwierigkeiten hat, problemlos in ihn „hineinzugleiten“.

 

 

Eine anregende, interessante, hilfreiche und dem Schlaf gerecht werdende Lektüre.

 

M.Lehmann-Pape 2016